RUSSLAND UND SEINE
REGIONEN
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01.09.2006 - Anna Paschkowa
Rund ums Weiße Meer
Vom 21. Juli bis zum 17. August 2006 hat der ARD Korrespondent
Stephan Stuchlik im Norden Russlands einen Film gedreht. Am 2. September
kommt seine 30 Minuten-Feature im deutschen Fernsehen.
- Mit welchen Orten stellen Sie deutschen Zuschauer den Norden Russlands
in Ihrem Film vor?
- Mein Film heißt „Rund ums Weiße Meer“ und zeigt Landschaften
in der Region um das Weiße Meer. Erste Stadt unserer Reise war Archangelsk,
wo wir am Fest der Marine gedreht haben, damit der Film nach Wasser riecht.
Aus Archangelsk sind wir nach Solovetskij Insel mit einem Segelboot der
Solovetskaja Regatta gekommen und einen Teil der Regatta so mitbekommen.
Auf dem Solovetskij Archipel war uns besonders interessant der Kontrast
zwischen der Natur, der Altklosterarchitektur und dem Eindruck vom früheren
Haftlager dort, also der sowjetischen Ausweisungsgeschichte. Danach sind
wir auf die Kola-Halbinsel gefahren.
- Welches Bild von Russland hatten Sie in Deutschland?
- Ich hatte Assoziationen, die die meisten Deutschen haben, klar, – Russland
ist groß, kalt und gefährlich. Ich hatte aber den Eindruck,
dass alles hier im Umbruch ist, aber in welcher Richtung, wusste ich nicht,
bevor ich vor 1,5 Jahren nach Moskauer ARD-Büro gekommen bin. Einerseits
das Klischeebild von Russland - tiefe Wälder, verschneite Ebenen,
80jähige Jäger und andererseits mein journalistisches Interesse
an das Land im Wandel, wegen dieser Kombination bin ich hierher gekommen.
- Hatten Sie irgendwelche Schwierigkeiten während der Reise?
- Es war schwierig für mich als Ausländer, Bewegungsfreiheit
zu bekommen, eine Genehmigung, dass ich hier überhaupt aufhalten
kann. Zum größten Teil< alles, was wir gedreht haben, war in
einer Grenzzone, aber ich habe es nicht verstanden, wo die Grenze ist.
Und natürlich Drehgenehmigung sollten wir beantrage, die auch schwierig
zu bekommne ist.
- Welche lustige Geschichten haben Sie erlebt?
- Im Dorf Warsuga auf der Kola-Halbinsel wollten wir z. B. schön
drehen, wie Kühe über den Fluss schwimmen. Ich habe mit der
Kamera gewartet und es mir vorgestellt, wie die Sonne runtergeht und die
Kühe alle zusammen ordentlich schwimmen... Aber sie sind dieses Mal
überhaupt nicht geschwommen, sondern auf einer flachen Stelle im
Fluss gegangen. Es war nichts so, wie vorgeplant, aber es war trotzdem
schön. So ist Russland: nach deutschen Maßstäben funktioniert
gar nichts, aber es ist wunderschön an sich.
-Was hat Sie im Norden am meisten beeindruckt?
- Außergewöhnliche Menschen, denen wir in Städten und
Dörfern begegnet sind, und ihre reichen Traditionen. Sehr viel kulturelle
Schönheit da, viele alte Sachen... Die ganze Welt verfällt,
aber ein Idealist mit 40 guckt mit Hammer und Säge, alte Holzhäuser
zu pflegen. Das finde ich überall auf der Welt sehr beeindruckend.
- Es gibt immer einen Unterschied zwischen dem Journalisten, der schreibt
oder dreht und dem, der das alles letztendlich wahrnimmt. Glauben Sie,
dass das von Ihnen gedrehte normale Leben in Russland deutsche Zuschauer
interessiert?
- Der Film ist erstens schön zu gucken – schöne Landschaften,
wunderbares Meer, und zweitens - Leute mit außergewöhnlichen
Geschichten – ältere Frauen, die im Chor singen, Menschen, die alte
Holzhäuser renovieren, Omas mit ihrem Warenje im Flugzeug, Piloten,
die für ein „Butterbrot“ mit einem alten Doppeldecker rumfliegen,
frustrierter Flughafenbesitzer, der von alten Sowjetzeiten träumt,
als jeden Tag etwa 50 Flugmaschinen geflogen sind... Ich glaube, es ist
interessant, sonst würde ich darüber keinen Film drehen.
Das Gespräch führte Anna Paschkowa.
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