BEITRÄGE AUF DEUTSCH
Einige Artikel vom Autor, die in verschiedenen Medien veröffentlicht sind
24/04/2003 - Moskauer Deutsche Zeitung
Kurz und deutlich
Absolventen des Programms "Journalisten International" treffen
sich erstmals
Das sich die Lesegewohnheiten in Deutschland von den Vorlieben
russischer Mediennutzer unterscheiden, ist ein alter Hut. Wie man jedoch
für beide Zielgruppen spannend schreibt, lernen Medienschaffende
aus Osteuropa während eines dreimonatigen Aufenthalts in deutschen
Redaktionen. Vor kurzem trafen sich erstmals Absolventen des Programms
"Journalisten International" in der Deutschen Botschaft in Moskau.
Eine Gemeinsamkeit verbindet die rund 50 Journalisten aus Russland, Weißrussland
und der Ukraine, die in Moskau zusammen getroffen waren: Alle Schreiberlinge
hatten im Rahmen des Programms "Journalisten International" Praxisluft
in Deutschland geschnuppert.
Beim ersten Alumnen-Treffen sollten Kontakte untereinander und zur deutschen
Alma Mater weiter entwickelt werden. Das Projekt, das vormals "Journalisten
aus Russland" hieß, wird maßgeblich vom Deutschen Akademischen
Austauschdienst (DAAD) koordiniert und bietet jungen Medienpraktikern
aus Weißrussland, Russland und der Ukraine, die im Fernseh-, Hörfunk-,
Online- oder Printbereich tätig sind, die Möglichkeit zum Studienaufenthalt
am Journalisten-Kolleg der Freien Universitat Berlin.
Zweimal pro Jahr werden bis zu 20 Stipendien für die Teilnahme an
diesem Weiterbildungsprogramm vergeben, das sich an berufstätige
Journalisten richtet. Im Laufe von sechs Wochen lernen die Stipendiaten,
die in Berliner Wohnheimen untergebracht sind, die Grundlagen des deutschen
und europäischen Mediensystems kennen. Gepaukt werden zudem rechtliche
Fragen und deutsche Geschichte.
Im Anschluss an die Theoriephase folgt der praktische Teil: Die mit neuen
Berufserfahrungen gewappneten Stipendiaten werden sechs Wochen lang in
verschiedenen Medienhäusern eingesetzt, wo sie ihr Wissen testen
konnen.
Journalisten, die in Deutschland arbeiten, haben eine andere Berufsauffassung
und sind es eher als ihre osteuropaischen Kollegen gewohnt, zu diskutieren.
Dispute um brisante Themen wie Pressefreiheit, journalistische Ethik und
natürlich den Irak wurden jedoch auch beim Nachtreffen in Moskau
ausführlich erortert. Denn der Aufenthalt in Deutschland stärkt
das Ego, wie sich herausstellte: Die Medienrepräsentanten aus mehr
als 20 Regionen der ehemaligen UdSSR im Alter von 25 bis 43 Jahren zeigten
sich als europäisch selbstbewusste Gesprächspartner, die sich
frei ausdrucken können.
"Nun sind wir uberzeugt, dass unsere Investitionen auf fruchtbaren Boden
gefallen sind", meinte der Leiter der Außenstelle des DAAD in Moskau,
Gregor Berghorn. Auch der deutsche Botschafter, Hans-Friedrich von Ploetz,
stand den internationalen Nachwuchsjournalisten Rede und Antwort: Vor
allem der Stand der deutsch-russischen Kooperationen, die wechselseitigen
Beziehungen zwischen Staat und Presse und der russische Medienmarkt interessierte
die Alumnen, die den Diplomaten eifrig danach befragten ohne Dolmetscher
wohl gemerkt.
"Dieses Programm ist ein wahres Juwel für russische Journalisten
aus den Regionen, vor allem wenn sie aus einem Provinznest stammen", so
Jelena Wetrowa, Redakteurin der Zeitung "Wremja", die in der sibirischen
Stadt Angarsk herausgegeben wird. In Berlin war sie beim Radio "Multi-Kulti"
eingespannt wo übrigens auch der russische Kultautor Wladimir
Kaminer redaktionell mitwirkt. "Durch mein Praktikum habe ich frischen
Wind bekommen und eine Zeit lang in anderen Dimensionen gelebt und gearbeitet",
so die Journalistin. Vor allem hatte sich ihre Weltanschauung verandert.
"Ich fühle mich bis jetzt als ein Teilchen einer großen Vereinigung,
die man Journalistenwelt nennt..."
"Die praktischen Fertigkeiten, die ich bei der Arbeit in der deutschen
Zeitung erworben habe, lassen mich jetzt viel erfolgreicher in meiner
Stammzeitung arbeiten", meinte Natalja Kukuschkina, Redakteurin der Zeitung
"Literatur und Kunst" in Minsk. Sie machte ihr Praktikum bei der "Märkischen
Allgemeinen Zeitung" in Potsdam. "Kurz, deutlich und gedrängt seine
Meinungen und Gedanken zu prasentieren, ist die Hauptlehre, die ich mit
auf den Weg genommen habe", so die Journalistin.
Anfang April ist in Berlin bereits der achte Lehrgang des Programms "Journalisten
International" an den Start gegangen. Und kurz vor dem Alumnen-Treffen
wurden in Moskau bereits die neuen Stipendiaten für den neunten Lehrgang
ausgewählt, der im Herbst beginnt.
Zum
Original in der "MDZ" >>>
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