BEITRÄGE
Einige Beiträge von deutschen, russischen, amerikanischen usw. MedienrepräsentantInnen, ForscherInnen über Journalistik, Massenmedien, Pressefreiheit und Journalismus überhaupt.
Presse, Hörfunk und Fernsehen in der Bundesrepublik Deutschland
VIII. Deutschland gibt seine Erfahrungen weiter
Nicht erst seit das Weltjahr der Kommunikation 1983 und die Diskussion
über eine Neue Welt-Informations- und Kommunikationsordnung die Situation
der Medien und die Lage der Journalisten in der Dritten Welt ins Bewußtsein
Europas gerufen haben, engagieren sich staatliche Einrichtungen und private
Organisationen in Deutschland finanziell, technisch und personell bei
der Förderung von Presse und Rundfunk in den Entwicklungsländern
und in den Staaten, die sich im Übergang von einer totalitären
zu einer demokratischen Gesellschaftsordnung befinden.
1. Aus- und Weiterbildung vorrangig
Aus- und Fortbildung von Journalisten und Technikern ist der wohl am
besten geeignete Weg, demokratische Medien zu fördern, denn sie bringen
die Kenntnis der nationalen Bedürfnisse und Traditionen in die Gestaltung
der Seminare und Lehrgänge ein. Besonders hoher Bedarf an qualifiziertem
Personal bestand bei Hörfunk und Fernsehen. Aus informellen Kontakten
entwickelten sich feste Beziehungen, die 1961 zur Gründung einer
(inzwischen wieder aufgelösten) Kommission der ARD zum Studium der
Beziehungen der Rundfunkanstalten zu den Entwicklungsländern führten.
Später beteiligten sich an der Arbeit dieser Kommission auch das
ZDF, die Carl Duisberg-Gesellschaft als Organisation für die Betreuung
ausländischer Praktikanten, das Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und andere Organisationen.
Lag zunächst die Ausbildung der Praktikanten von ausländischen
Hörfunk- und Fernsehgesellschaften in der Hand der jeweiligen Landesrundfunkanstalt,
so übertrug im Oktober 1970 die ARD dem Sender Freies Berlin (SFB)
die Ausbildung der Fernsehkräfte sowohl für Programm wie für
Technik, und im Dezember 1970 nahm das Ausbildungszentrum für Hörfunkmitarbeiter
bei der Deutschen Welle in Köln seine Tätigkeit auf. Bei dieser
Anstalt hatte man die längste Erfahrung mit ausländischen Praktikanten
beim "training on the job". Inzwischen hat die Deutsche Welle die Fortbildung
für beide Sparten des Rundfunks übernommen. In dreißig
Jahren haben in der Sparte Hörfunk mehr als 6.000 Stipendiaten aus
130 Ländern diese Kurse absolviert, im Jahre 1997 besuchten etwa
700, im Jahre 1998 fast 800 Personen die Fortbildungsveranstaltungen für
Hörfunkmitarbeiter.
An Aus- und Fortbildungsveranstaltungen für Mitarbeiter des Fernsehens
nahmen insgesamt etwa 5.000 Personen teil; jährlich zählt das
Television Training Center etwa 400 ausländische Kursteilnehmer.
In den letzten Jahren hat sich das Kursangebot von der Ausbildung auf
die Fortbildung verlagert, auch findet die Mehrzahl der Seminare nicht
mehr in Deutschland, sondern im Ausland statt. Beispielsweise bietet die
Deutsche Welle für ausländische Fernsehmitarbeiter sechs Kurse
im Inland, aber etwa 20 im Ausland an. Bei beiden Schulungszentren übernehmen
das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
und das Auswärtige Amt einen erheblichen Teil der Kosten und gewähren
den Kursteilnehmern ein Stipendium für den Aufenthalt in Deutschland.
Langjährige Erfahrungen mit der Aus- und Fortbildung von Praktikanten
aus Presseberufen hat das in Berlin ansässige Internationale Institut
für Journalismus (IIJ). Es ist der Deutschen Stiftung für Internationale
Entwicklung angegliedert. Auch hier konzentriert man sich in den letzten
Jahren auf Kursangebote für eine gehobene Fortbildung von Journalisten
und bietet zunehmend Seminare an ausländischen Tagungsorten an. Jährlich
nehmen etwa 80 Personen an Seminaren des IIJ teil. Mitarbeiter ausländischer
Nachrichtenagenturen haben die Möglichkeit, mit Unterstützung
von staatlichen Stellen und Stiftungen sich bei der Deutschen Presse-Agentur
journalistisch und technisch weiterzubilden.
Neben die Schulung ausländischer Journalisten und Techniker tritt
die Beratung bestehender Medien durch deutsche Experten; allein auf dem
Gebiet des Rundfunks stehen 40 Fachleute im Dienst der deutschen Entwicklungshilfe.
Außerordentlich erfolgreich war die Gründung von Partnerschaften
und der Abschluß von Kooperationsverträgen zwischen deutschen
und ausländischen Medien. Deutsche Fachleute beraten und unterstützen
ihre ausländischen Kollegen mit technischer Hilfe und der Vermittlung
von Programmen. Gleichzeitig nutzen Journalisten und Techniker aus der
Dritten Welt die Einrichtungen ihrer deutschen Partner zur Aus- und Weiterbildung.
2. Staatliche Entwicklungshilfe als politische Aufgabe
Liegt bei den genannten Einrichtungen die Initiative zunächst bei
den Medien, so haben die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland schon
frühzeitig erkannt, wie wichtig es ist, eine selbständige Entwicklung
des Mediensystems in den jungen Nationalstaaten zu fördern, um den
gesellschaftlichen, politischen und sozialen Wandel positiv zu beeinflussen.
Seit 1961 das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
die Koordinierung der staatlichen Entwicklungshilfe übernommen hat,
sind weit über 800 Medienprojekte mit einem Gesamtaufwand von mehr
als einer Milliarde DM gefördert worden. Die Bundesregierung fördert
mit jährlich 65 Millionen DM Projekte (einschließlich der Stipendienprogramme
in Deutschland) in mehr als 40 Staaten.
3. Förderung demokratischer Medienkommunikation
Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Staats- und Gesellschaftssystems
in Mittel- und Osteuropa und in der früheren Sowjetunion hat die
deutsche Regierung in Koordination mit den Medien, mit den politischen
Stiftungen der Parteien und anderen Organisationen die Ansätze zu
demokratischen und staatsunabhängigen Medien gefördert. Außerdem
ist Deutschland mit erheblichen Mitteln engagiert in den von der Europäischen
Union (EU) gestalteten Programmen Phare und Tacis für diese Staatengruppe.
Beratung, Fortbildung, Praktika und Hospitanzen sind erprobte Formen der
Medienförderung.
In begrenztem Umfang werden außerdem technische Unterstützung
und Programmhilfe gewährt. Meinungsfreiheit und Medienfreiheit zu
fördern und einen Beitrag zur sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen
Entwicklung der Länder in der Dritten Welt und in den Reformstaaten
zu leisten, ist Ziel staatlicher Entwicklungshilfe im Medienbereich. Sie
entspricht damit den Zielen der deutschen Außenpolitik und der Mitarbeit
Deutschlands in den internationalen Organisationen.
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