На главную страницу сайта: www.mediasprut.ru Rambler's Top100
{banner}
medianetz
journalismus russland
info-center portfolio fotoalbum
leitseite über projekt über autor kontakt
zu den favoriten    • weiterempfehlen

Journalismus

BEITRÄGE
Einige Beiträge von deutschen, russischen, amerikanischen usw. MedienrepräsentantInnen, ForscherInnen über Journalistik, Massenmedien, Pressefreiheit und Journalismus überhaupt.

Presse, Hörfunk und Fernsehen in der Bundesrepublik Deutschland

VI. Nachrichtenagenturen und Öffentlichkeitsarbeit

Spricht man mit deutschen Journalisten über Informationsbeschaffung, so klagen sie im allgemeinen nicht über mangelnde Informationsmöglichkeiten, sondern im Gegenteil über die "Informationslawine". Staatliche Einrichtungen, Parteien, Verbände und Interessengruppen jeglicher Zielsetzung drängen an die Öffentlichkeit, verbreiten Mitteilungen und Pressedienste, laden zu Pressekonferenzen und Journalistengesprächen. Vor allem aber die Nachrichtenagenturen sorgen für einen nicht abreißenden Informationsfluß.

1. Nachricht als Ware: Die Nachrichtenagenturen

Insgesamt fünf Nachrichtenagenturen bieten einen universellen Dienst mit deutschen Inlandsnachrichten an: Deutsche Presse-Agentur (dpa), Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst (ADN), Associated Press (AP), Agence France-Presse (AFP) und Reuters (rtr). Auch die Dritte-Welt-Agentur Inter Press Service verbreitet einen deutschsprachigen Dienst. Marktführer in diesem harten Konkurrenzkampf ist die Deutsche Presse-Agentur. Sie hat die Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), deren Gesellschafteranteile bei den deutschen Presseverlagen und bei den Rundfunkanstalten liegen. Um einen zu starken Einfluß einzelner Anteilseigner durch wirtschaftlichen Druck zu verhindern, dürfen Presseverlage nicht mehr als jeweils 1,5 Prozent und die Rundfunkanstalten insgesamt bis zu 25 Prozent des Stammkapitals halten.

Eine staatliche Beteiligung am Gesellschaftskapital ist nicht möglich, die publizistischen und wirtschaftlichen Entscheidungen über die Agenturarbeit treffen ausschließlich die Gesellschafter. dpa beliefert alle deutschen Tageszeitungen - von vier Ausnahmen abgesehen. Neben einer Vielzahl von Beziehern außerhalb der Medien hat die Agentur mehr als 500 Kunden unter den Medienunternehmen im Inland und mehr als 750 im Ausland, darunter über 60 Nachrichtenagenturen. Der Abstand zu dem deutschen Wettbewerber Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst ist erheblich. ADN war die staatliche Nachrichtenagentur der DDR und wurde privatisiert. Erwerber war ein Privatmann, der bereits eine Nachrichtenagentur mit dem Namen Deutscher Depeschen-Dienst (ddp) besaß. Seit dem 1. Januar 1999 gehört ADN zur Fernsehgesellschaft Pro Sieben Media AG, einem Unternehmen der Kirch-Gruppe, dessen Aktien als einziger privater Fernsehanbieter an der Börse gehandelt werden.

2. Spezialagenturen und Pressedienste

Agenturdienste mit theoretisch unbegrenztem Themenspektrum vermitteln aber nur einen Ausschnitt des Nachrichtenstoffes, der den Medien kontinuierlich zufließt. So gibt es weitere Agenturen, die sich spezialisiert haben. Dazu zählen mit Orientierung auf die beiden großen christlichen Konfessionen die Katholische Nachrichtenagentur (KNA), die sich im Besitz kirchlicher Institutionen, der katholischen Presse und einiger Privatpersonen befindet, und der Evangelische Pressedienst (epd), den die evangelischen Landeskirchen tragen.

Diese Agenturen beliefert nicht nur die konfessionelle Presse, sondern auch viele Redaktionen der Tages- und Wochenpresse und des Rundfunks. Am Beispiel der Vereinigten Wirtschaftsdienste (vwd) zeigt sich, daß aktuelle Informationen nicht allein für die Medien wichtig sind, denn unter den etwa 7.000 Kunden dieser auf Wirtschaftsthemen spezialisierten Agentur stellen Redaktionen der Presse und des Rundfunks nur ein knappes Zehntel, die übrigen sind Verbände, Banken, Organisationen und Unternehmen der Wirtschaft.

Das Gesellschaftskapital von vwd zeichneten zu gleichen Teilen die Verlage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und des "Handelsblatt" sowie die amerikanische Dow Jones Company Inc. Mit Presse- und Informationsdiensten, Korrespondenzen und Bilderdiensten - zum Teil unabhängig, zum Teil getragen von Parteien, Verbänden und politischen, wirtschaftlichen, kirchlichen und kulturellen Organisationen - können die Medien dann noch die letzte Spalte und die letzte Sendeminute füllen. Es gibt wohl keine in den Medien behandelte Thematik, zu der diese Dienste nicht Spezial- und Hintergrundinformationen (nicht immer meinungsfrei) oder druckfertiges Material häufig kostenfrei anbieten.

3. Korrespondenten sorgen für kontinuierliche Information

Arbeitet ein Journalist in Bonn als Korrespondent für eine deutsche oder ausländische Zeitung bzw. eine Rundfunkanstalt, so ist er im allgemeinen Mitglied des Vereins Bundes-Pressekonferenz. Zu Jahresbeginn 1999 gehörten dem Verein 793 Journalisten an, die hauptberuflich für deutsche Medien über das politische Geschehen in Bonn berichten. Dreimal wöchentlich veranstaltet der Verein Pressekonferenzen, auf denen der Sprecher der Bundesregierung und die Sprecher der Ministerien die Mitglieder und die in Bonn tätigen ausländischen Korrespondenten über den Ablauf der Kabinettssitzungen und über Entscheidungen der Bundesregierung informieren und den Journalisten Fragen zur Regierungspolitik beantworten.

Die Pressekonferenzen werden jeweils von einem Vorstandsmitglied des Vereins Bundes-Pressekonferenz geleitet, auch dann, wenn der Bundeskanzler, Minister oder andere Politiker Gäste der Journalisten sind. Etwa 50 deutsche Tageszeitungen unterhalten in Bonn eigene Büros; die Rundfunkanstalten verfügen über Studios, in denen die technischen Einrichtungen für die Übermittlung von Hörfunk- und Fernsehbeiträgen in die Redaktionen der einzelnen Anstalten oder direkt in die laufenden Programme bestehen.

Die Berichterstattung über die Sitzungen des Deutschen Bundestages ist in Bild und Ton jederzeit möglich und wird bei wichtigen Debatten von den öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunkanstalten ständig benutzt. Ausländische Medien haben eine Vielzahl von Korrespondenten nach Bonn entsandt; etwa 280 haben sich zum Verein der Ausländischen Presse in der Bundesrepublik Deutschland zusammengeschlossen, dessen Mitglieder auch Fragerecht in der Bundespressekonferenz besitzen.

Die ausländischen Korrespondenten arbeiten für Nachrichtenagenturen, Zeitungen und Zeitschriften sowie für ausländische Hörfunk- und Fernsehgesellschaften. In den Zentralredaktionen für die deutschen Dienste von Agence France-Presse, Associated Press und Reuters arbeitet jeweils ein Team von Redakteuren speziell für die Zentralredaktionen in Paris, New York und London.

4. Staatliche Öffentlichkeitsarbeit

Information und politische Willensbildung gehören in einer demokratischen Gesellschaftsordnung untrennbar zusammen, das hat das Bundesverfassungsgericht in einer Entscheidung über staatliche Öffentlichkeitsarbeit ausdrücklich bestätigt und hinzugefügt: "Eine verantwortliche Teilhabe der Bürger an der politischen Willensbildung des Volkes setzt voraus, daß der Einzelne von den zu entscheidenden Sachfragen, von den durch die verfaßten Staatsorgane getroffenen Entscheidungen, Maßnahmen und Lösungsvorschlägen genügend weiß, um sie beurteilen, billigen oder verwerfen zu können."

Die Regierung bedarf im allgemeinen der Mittlerstellung der Medien, um ihre Informationen an den Bürger herantragen zu können. Eine Schlüsselfunktion bei der Unterrichtung über die Regierungspolitik nimmt der Sprecher der Bundesregierung ein. Er ist zugleich Chef einer Behörde, des Presse- und Informa-tionsamtes der Bundesregierung (BPA). Das Amt mit seinen etwa 660 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Jahresetat von 258 Millionen DM (1998) hat eine zweifache Aufgabenstellung: Es informiert die deutsche Regierung über alles Wissenswerte vom Weltmarkt der Nachrichten, und es betreibt Informations- und Öffentlichkeitsarbeit für die Bundesregierung im In- und Ausland.

Zur Erfüllung der ersten Aufgabe wertet die Nachrichtenabteilung des Amtes die Dienste von 24 Nachrichtenagenturen, mehr als 100 Hörfunk- und 25 Fernsehprogramme in Deutsch und in 22 Fremdsprachen aus; ferner werden die wichtigsten deutschen und ausländischen Periodika gelesen. Es geht dabei nicht nur um die Erfassung neuer Sachverhalte in der internationalen Politik und die dazu verbreiteten Interviews und Kommentare, sondern auch um die Beobachtung des Deutschlandbildes in den ausländischen Medien.

Die Förderung des deutschen Ansehens im Ausland ist Aufgabe der Auslandsabteilung des BPA, der dafür im Jahre 1998 rund 60 Millionen DM zur Verfügung standen. Information und Betreuung der in Deutschland ständig tätigen ausländischen Journalisten und der zu wichtigen politischen Ereignissen anreisenden Journalisten stehen an erster Stelle, denn sie sind durch die Medien in ihren Heimatländern besonders einflußreich bei der Meinungsbildung über Deutschland.

Die Öffentlichkeitsarbeit für das Ausland ist abgestimmt mit dem Auswärtigen Amt und mit der Arbeit von Inter Nationes, einer auf den Gebieten der auswärtigen Kulturpolitik und der politischen Öffentlichkeitsarbeit im Ausland tätigen Institution, sowie mit der Arbeit der deutschen Auslandsvertretungen. Dazu gehören die Publizierung von Druckschriften in zum Teil mehr als 30 Sprachen, die Herstellung und Verbreitung von Periodika sowie von Film- und Fernsehbeiträgen. Einer Vielzahl von ausländischen Kinobesuchern und Fernsehbesuchern bietet der in 12 Sprachfassungen verbreitete "Deutschlandspiegel" attraktive audiovisuelle Beiträge über deutsche Politik und das Leben in Deutschland.

Seiten: 0 1 2 3 4 5 6 7 8