BEITRÄGE
Einige Beiträge von deutschen, russischen, amerikanischen usw. MedienrepräsentantInnen, ForscherInnen über Journalistik, Massenmedien, Pressefreiheit und Journalismus überhaupt.
Presse, Hörfunk und Fernsehen in der Bundesrepublik Deutschland
V. Neue Kommunikationswege und -techniken
Wie in anderen Ländern der westlichen Welt markieren auch in Deutschland
drei Übermittlungstechniken eine sich grundlegend verändernde
Medienlandschaft, ja ein neues Zeitalter der Massenkommunikation: die
Verkabelung in Breitbandkanalnetzen, die Rundfunksatelliten und die Digitalisierung.
1. Investitionen nicht immer rentabel
Unter der politischen Vorgabe, die Entwicklung von privatem Hörfunk
und Fernsehen zu fördern, hat die Deutsche Telekom seit Ende 1982
den Ausbau der Kabelnetze für Breitbandkommunikation mit einem Investitionsaufwand
von mehr als 30 Milliarden DM vorgenommen und so die Voraussetzungen für
ein Nebeneinander von öffentlich-rechtlichen und privaten Hörfunk-
bzw. Fernsehprogrammen geschaffen. Auch in der technischen Entwicklung
der Satellitenkommunikation hat die Deutsche Telekom erhebliche finanzielle
Leistungen erbracht. Die Entwicklung vollzog sich von den Fernmeldesatelliten
(Intelsat, Kopernikus) zu den direktstrahlenden Rundfunksatelliten, deren
Programme auch private Haushalte mit Satellitenempfangsanlagen unmittelbar
empfangen können.
Ein Drittel der Haushalte (10,3 Millionen) bezieht die Fernsehprogramme
über Satellit. Die Deutsche Telekom steht in der Vermietung von Satellitenkanälen
in harter Konkurrenz zu privaten Satellitenbetreibern, die privaten und
öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbietern günstige Konditionen
bei Belegung von Kanälen bieten. Marktführer bei der Versorgung
der deutschen Fernsehhaushalte ist die in Luxemburg ansässige Betreibergesellschaft
Societe Europeenne des Satellites (SES) des Astra-Satellitensystems mit
einem Umsatz von 868 Millionen DM und einem Gewinn von 311 Millionen DM
(1997), an der sich auch die Deutsche Telekom beteiligt hat.
Der Konkurrenzkampf um den Fernsehzuschauer zwischen öffentlich-rechtlichen
und privaten Programmanbietern wird sich in den nächsten Jahren mit
der Digitalisierung der Programme weiter verschärfen. Zunächst
versuchte die Kirch-Gruppe ein von ihr entwickeltes Decodersystem für
verschlüsseltes digitales Fernsehen (Set top-Box) am Markt durchzusetzen.
Sie sah sich aber bald gezwungen, auch den Konkurrenten CLT/Ufa und die
Deutsche Telekom zu beteiligen. Dieses Oligopol scheiterte am Widerstand
anderer privater Programmanbieter und der öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten. Es wurde unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten
vom Bundeskartellamt und der EU-Wettbewerbskommission untersagt.
Nunmehr haben die genannten Programmanbieter und die Deutsche Telekom
eine Programmierschnittstelle entwickelt, mit deren Hilfe andere Anbieter
eigene Anwendungen für den Decoder (Programmführer, Internet-Zugang,
interaktive Werbesendungen) konzipieren können. Damit ist bei der
digitalen Verbreitung von Hörfunk- und Fernsehprogrammen eine Marktbeherrschung
durch wenige finanzstarke Firmengruppen verhindert.
2. Konflikte um Digitalisierung
Mit der Nutzung der Digitaltechnik für die Produktion und Verbreitung
von Hörfunk- und Fernsehprogrammen beschäftigen sich sowohl
die öffentlich-rechtlichen wie die privaten Anbieter. Vier Schwerpunkte
hat die Einführung der Digitaltechnik: Vervielfachung der vorhandenen
Übertragungskanäle, Bereitstellung preisgünstiger Übertragungskapazitäten,
Interaktive Nutzung der Systeme, Belastung der Nutzer mit den Kosten für
eine erbrachte Leistung. Ein nachhaltiger Anstoß, die Digitalisierung
voranzutreiben, ging vom Nachfrageüberhang in den Kabelnetzen aus,
die der wichtigste Übertragungsweg für Fernsehen in Deutschland
sind. Die Landesmedienanstalten konnten die Anträge auf Einspeisung
neuer Programme nicht erfüllen, die Kapazitäten waren ausgeschöpft.
Seit Mitte 1989 verbreitete die ARD zusammen mit der Deutschen Telekom
unter der Bezeichnung Digitales Satelliten-Radio (DSR) 16 Kultur- und
Informationsprogramme digitalisiert, allerdings nicht über Satellit,
sondern in Kabelnetzen. Das Angebot fand nur eine geringe Resonanz, weil
zum Empfang neue und sehr teuere Rundfunkgeräte erforderlich waren,
es wurden nur etwa 100.000 Geräte verkauft. Da nunmehr im Digital
Audio Broadcasting und Digital Video Broadcasting durch die Technik der
Datenreduktion Kabelkanäle mit der zehnfachen Zahl von Programmen
belegt werden können, hat DSR seine Sendungen zum 15. Januar 1999
eingestellt. Voraussetzung für die Einführung von Digital Video
Broadcasting (DVB) bzw.
Digital Audio Broadcasting (DAB) waren Vereinbarungen über technische
Standards, die bereits 1993 zwischen den wichtigsten mit digitalem Fernsehen
befaßten Organisationen aus 16 europäischen Staaten und den
Vereinigten Staaten von Amerika festgelegt wurden. 1996 positionierte
die Societe Europeenne des Satellites (SES) den ersten Astra-Satelliten
mit 20 digitalen Transpondern im All. Über ihn und weitere später
gestartete Satelliten verbreiten sowohl die öffentlich-rechtlichen
wie die privaten Anbieter inzwischen ihre digitalisierten Programme. Im
selben Jahr öffnete die Deutsche Telekom Kabelkanäle für
die Übertragung digitalisierter Fernsehprogramme.
Nach Festlegung der Normen für DAB hatte die ARD frühzeitig
Pilotprojekte gestartet, das erste am 25. August 1995. Es ging nicht nur
darum, Hörfunkprogramme digital anzubieten, sondern auch die Möglichkeiten
der neuen Technik für digitale Datendienste zu erproben. Mitte 1998
waren über 110 Hörfunkprogramme und etwa 50 digitale Datendienste
zu empfangen. Die Bundesregierung unterstützt die Bestrebungen der
Industrie und der Programmanbieter, mittelfristig - etwa um das Jahr 2005
- die vollständige Migration von der analogen zur digitalen Rundfunktechnik
zu vollziehen. Netzbetreiber, Hörfunk- und Fernsehgesellschaften
bereiten sich auf Investititonen in Milliardenhöhe vor. Offen bleibt,
wie die Bürger sich auf die neuen und nicht immer billigen Angebote
einstellen werden.
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