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Journalismus

BEITRÄGE
Einige Beiträge von deutschen, russischen, amerikanischen usw. MedienrepräsentantInnen, ForscherInnen über Journalistik, Massenmedien, Pressefreiheit und Journalismus überhaupt.

Presse, Hörfunk und Fernsehen in der Bundesrepublik Deutschland

II. Presse

Dominierend auf dem Markt der deutschen Tagespresse ist traditionell die regional und lokal verbreitete Abonnementzeitung, die ein privatwirtschaftlich arbeitender Verlag herausgibt. Während bis 1933 und erneut nach 1945 auch Parteien unmittelbar als Herausgeber von Tageszeitungen tätig waren, haben sie in den folgenden Jahrzehnten aus wirtschaftlichen Gründen ihre Zeitungen verkauft. Nur eine Holding der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) verwaltetet noch Beteiligungen an einigen wenigen Verlagen. Die fast ausschließlich im Abonnement vertriebene Zeitung bietet dem Leser einen zuverlässigen Überblick über die wichtigsten Ereignisse im Feld der nationalen und internationalen Politik, über Wirtschaft, Kultur und Sport, hat ihre besondere Stärke aber in der Berichterstattung über das Geschehen innerhalb des meist um eine größere Stadt konzentrierten Verbreitungsgebietes.

Weil die Bindung der Leser an "ihre Zeitung" durch Informationen über den engeren Lebensbereich besonders eng ist, widmen alle Zeitungen dem Lokalteil besondere Aufmerksamkeit. Die Zeitungen pflegen dadurch auch den Markt für lokale Geschäftsanzeigen, die durchschnittlich einen Anteil von mehr als 40 Prozent am Gesamtumsatz mit Anzeigen haben. Selbst die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung "Bild" besitzt als Straßenverkaufsblatt mit Verbreitung über die ganze Bundesrepublik Deutschland 35 Ausgaben, die sich in der regionalen/lokalen Berichterstattung und im Anzeigenteil voneinander unterscheiden.

1. Abonnementzeitungen bestimmen den Markt

1997 gab es auf dem deutschen Zeitungsmarkt 1582 Ausgaben von Tageszeitungen, deren Inhalt in bestimmten Sparten des redaktionellen Teils, vor allem im Lokalteil, von anderen Ausgaben abweicht. Jedoch wäre eine wirtschaftlich tragfähige Basis für eine derart zersplitterte Tagespresse nicht gegeben; deshalb ist es nicht verwunderlich, daß nur 371 Verlage als Herausgeber die finanzielle und im allgemeinen auch die technische Grundlage für die Vielzahl der Ausgaben bereitstellen. Sie alle unterhalten aber nur 135 Vollredaktionen.

Die wirtschaftlich selbständigen Verlage finanzieren entweder Gemeinschaftsredaktionen oder - was das übliche ist - ein Verlag übernimmt von einer anderen Zeitung den sogenannten Mantel, zumindest die Seiten mit der politischen Berichterstattung, und fügt die im eigenen Unternehmen erstellten regionalen und lokalen Wechselseiten und Teile des Anzeigenteils hinzu. Deshalb spricht man auch von 135 "Publizistischen Einheiten", die für die in der Mehrzahl an jedem Werktag erscheinenden Zeitungen einen aktuellen und universellen Nachrichten- und Kommentarteil liefern. Diese Konzentration des politischen Inhaltes - für die Meinungsbildung nach wie vor unentbehrlich - auf wenige Redaktionen war nicht immer gegeben. Vor vier Jahrzehnten lag die Zahl der "Publizistischen Einheiten" allein in den westlichen Bundesländer noch um 90 höher.

In den 60er Jahren vollzog sich ein Schrumpfungsprozeß um beinahe 50 Prozent, während die Zahl der Ausgaben trotz vieler Konzentrationsvorgänge kaum niedriger liegt als vor 40 Jahren. Nach der Auflösung der DDR erfolgte dort eine Flut von Zeitungsneugründungen durch westdeutsche Verlage. Außerdem gab es spezielle Ausgaben westdeutscher Zeitungen für die sogenannten neuen Bundesländer. Bereits nach gut einem Jahr begann ein Konzentrationsprozeß, dem zunächst vor allem die überregional verbreiteten Zeitungen der DDR-Parteien und Massenorganisationen zum Opfer fielen, dann aber auch fast alle Neugründungen. Dieser vorwiegend wirtschaftlich bedingte Konzentrationsprozeß hat zur Herausbildung von Verlagen und Verlagsgruppen geführt, die in ihren Verbreitungsgebieten teilweise in monopolartiger Position auftreten.

Wegen der Abgrenzung von Verbreitungsgebieten zwischen den Zeitungsverlagen haben in Deutschland etwa 40 Prozent der Bürger keine Möglichkeit, zwischen mehreren lokalen Zeitungen zu wählen. Auch in 30 von 84 Großstädten erscheint nur eine Abonnementzeitung mit lokaler Berichterstattung. Selbst dort, wo publizistische Konkurrenz zwischen unterschiedlichen lokalen und regionalen Zeitungen herrscht, sind die herausgebenden Verlage häufig finanziell miteinander verflochten. Von den 135 "Publizistischen Einheiten" haben 79 eine Auflage von mehr als 100.000 Exemplaren; auf diese Gruppe entfallen etwa 90 Prozent der täglichen Gesamtauflage. Diese Zeitungen ziehen auch den größten Anteil des Anzeigenumsatzes der Tagespresse auf sich: Er betrug für alle Tageszeitungen im Jahre 1997 etwa 10,9 Milliarden DM bei Werbeaufwendungen von insgesamt rund 38,7 Milliarden DM in den Medien.

Die Tageszeitung ist weit vor Fernsehen und Hörfunk, die Werbeeinnahmen von 8,72 Milliarden DM hatten, immer noch der sssumsatzstärkste Werbeträger. Die Zeitungen sind erheblich von der Konjunktur abhängig, weil sie durchschnittlich zwei Drittel ihrer Erlöse aus dem Anzeigengeschäft erzielen, während das restliche Drittel aus den Vertriebseinnahmen stammt.

2. Überregionale Presse

Verkaufte Auflage (III 2000) Süddeutsche 430.069 Frankfurter Allgemeine 405.204 Welt 256.976 In der Bundesrepublik Deutschland sind neben dem Boulevard-Blatt "Bild" die "Süddeutsche Zeitung", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Die Welt" die "tageszeitung" und die "Frankfurter Rundschau" landesweit verbreitet. Die seriöse national bzw. regional verbreitete Presse hatte im Jahre 2000 eine Auflage von über einer Million Exemplaren. Sie findet ihre Leser bevorzugt in den einflussreichen und meinungsführenden Schichten der Bevölkerung - bei Politikern, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und in der Wirtschaft. Neben den genannten Zeitungen genießen einige regionale Blätter wegen der Qualität von Berichterstattung und Kommentierung hohes Ansehen. Zu ihnen zählen beispielsweise die "Stuttgarter Zeitung", "Der Tagesspiegel" (Berlin), der "Kölner Stadt-Anzeiger", die "Berliner Zeitung" und die "Hannoversche Allgemeine Zeitung".

3. Verlust von Auflage und Reichweite

Neben den zum Teil traditionsreichen Abonnementzeitungen - bei 15 Zeitungen reicht die Verlagsgeschichte in das 18. Jahrhundert zurück - , die 76 Prozent der Gesamtauflage der deutschen Tagespresse auf sich vereinigen, hat sich eine journalistisch gekonnt gestaltete Straßenverkaufspresse etabliert, auf die 24 Prozent der Gesamtauflage entfallen. An der Spitze steht "Bild" mit einer Auflage von 4,412 Millionen Exemplaren (I. Quartal 1997); andere wichtige Straßenverkaufsblätter sind der im Raum Düsseldorf, Köln und Bonn verbreitete "Express", die "BZ" und der "Berliner Kurier" in Berlin sowie die "Abendzeitung" in München.

Die Gesamtauflage der deutschen Tagespresse betrug 1997 rund 24,6 Millionen Exemplare; sie ist seit der ssWiedervereinigung Deutschlands 1990 um etwa 5,3 Millionen Exemplare gesunken. Der Verlust geht überwiegend zu Lasten früherer DDR-Parteizeitungen und der Straßenverkaufsblätter, weil deren charakteristische Themen heute vielfach attraktiver vom privaten Fernsehen angeboten werden. Außerdem wirkt sich eine insgesamt schlechtere Wirtschaftslage mit Einkommensverlusten und hoher Arbeitslosenzahl auch auf den Absatz der Abonnementzeitungen aus.

Mit der Auflage ist auch die Reichweite der deutschen Zeitungen, d.h. der Anteil der Gesamtbevölkerung, der eine Zeitung liest, seit 1988 um 4,1 Prozent zurückgegangen. Besorgt verfolgen die Zeitungen vor allem den Rückgang der Zahl der jugendlichen Leser zwischen 14 und 19 Jahren. Er betrug in den letzten zehn Jahren 15,8 Prozent. Redaktionen und Verlage bemühen sich intensiv, sie durch Sonderseiten, Auswahl jugendorientierter Themen und zeitgerechtes Layout zurückzugewinnen oder zumindest zu halten.

4. Weitere Teilmärkte im Pressebereich

Neben den Tageszeitungen mit ihrem universellem Angebot an Informationen hat sich ein kaum mehr zu überschauender Markt lokaler Wochenblätter, Alternativzeitungen, Mitteilungs- und Anzeigenblätter herausgebildet. Diese Periodika füllten zum Teil Lücken, die durch die Konzentrationsvorgänge in der deutschen Tagespresse entstanden waren.

Wirtschaftlich interessant sind vor allem die mehr als 1300 kostenlos verteilten Anzeigenblätter mit einer Gesamtauflage von 84 Millionen Exemplaren, die 1997 einen Anzeigenumsatz in Höhe von 3,28 Milliarden DM erzielten. Viele von ihnen befinden sich im Besitz von Verlagen, die auch Tageszeitungen herausbringen. Beherrschten früher nur zwei aus dem Verlagshaus Axel Springer stammende Sonntagszeitungen - "Bild am Sonntag" mit 2,67 Millionen Exemplaren und "Welt am Sonntag" mit 435.000 Exemplaren - den Markt, so haben in den letzten Jahren auch andere Verlage von Tageszeitungen entweder ihre Erscheinungshäufigkeit auf siebenmal wöchentlich erhöht oder eine spezielle Sonntagsausgabe herausgebracht.

So erscheinen unter anderem in Stuttgart "Sonntag Aktuell" als Sonntagsausgabe mehrerer Tageszeitungen (Auflage rund 910.000 Exemplare), in Kassel die "HNA-Sonntagszeit" der "Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen" (Auflage 190.000 Exemplare) und in Bremen der "Kurier am Sonntag" mit rund 200.000 Exemplaren. Bevorzugt zum Wochenende erreicht eine Gruppe von Blättern ihre Leser, die man als Wochenzeitungen bezeichnet und die sich engagiert bemühen, das politische, wirtschaftliche und kulturelle Geschehen analytisch zu erschließen.

Dabei kann die Basis eine parteipolitische Bindung - wie beim christlich-sozialen "Bayernkurier" - oder eine weltanschauliche Orientierung - wie beim "Rheinischen Merkur" - sein. Sie gelten als besonders wichtige Meinungsführer, allen voran die angesehene liberale Wochenzeitung "Die Zeit", aber auch das "Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt", das eine weltoffene protestantisch-kirchliche Position einnimmt. Den Pressetyp der Nachrichtenmagazine vertrat bis zum Jahre 1993 allein der linksliberale "Der Spiegel" (Auflage 1,06 Millionen Exemplare im III. Quartal 1998), der wie kein anderes Presseerzeugnis mit der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland durch eine kritische Berichterstattung und die Aufdeckung des Mißbrauchs politischer Macht verbunden ist.

Nunmehr hat er einen Konkurrenten in "Focus", der auf einer konservativen Grundhaltung jede Woche mehr als 800.000 Käufer Informationen und Hintergrundberichterstattung anbietet. Diese Zeitschrift ist für ihren Verleger Burda einer der größten publizistischen und wirtschaftlichen Erfolge der Nachkriegspresse.

5. Zeitschriften

Aus dem zahlenmäßig kaum zu erfassenden Markt der deutschen Zeitschriftenpresse mit rund zwanzigtausend Titeln ragt eine Gruppe von Zeitschriften wegen ihrer zum Teil hohen Auflagen und ihrer publizistischen Resonanz heraus: Die unterhaltenden Publikumszeitschriften. Zu ihnen zählt man etwa 750 Titel mit einer Gesamtauflage von mehr als 127 Millionen Exemplaren je Erscheinungsintervall; mit Einnahmen von rund 3,5 Milliarden DM auch die zweitwichtigste Werbeträgergruppe im Bereich der Presse.

Hier sind die aktuellen Illustrierten wie "stern" und "Bunte" zu finden, die Programmzeitschriften für das Hörfunk- und Fernsehprogramm, außerdem Periodika für Frauen, Männer und Jugendliche, für Hobby, Freizeit und Sport. Zahl und Auflage der aktuellen Illustrierten sind in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen; bei Absatz und Anzeigeneinnahmen wirkte sich die Konkurrenz des Fernsehens besonders nachteilig aus.

Expansiv hingegen ist wegen der ständig zunehmenden Zahl von Fernsehprogrammen der Markt der Rundfunkprogramm-Zeitschriften mit 15 Titeln und einer Gesamtauflage von 20,3 Millionen Exemplaren (IV. Quartal 1998). In diesem Zeitschriftensektor hat der Heinrich-Bauer-Verlag einen Marktanteil von 46 Prozent. Zu dieser Gruppe werden auch die Programmbeilagen der Tageszeitungen gerechnet, dann kommen noch etwa 18 Millionen Exemplare dieses Pressetyps hinzu. Aufschlußreich ist, daß in der Liste der zehn auflagestärksten Zeitschriften achtmal Programmzeitschriften vertreten sind (vgl. Anlage 4). Hohe Auflagen haben zum Teil die Blätter der Organisationen und Verbände; von der Titelzahl her ist etwa ein Drittel der deutschen Zeitschriften an eine Vereinigung gebunden oder auf die Vertretung ihrer Interessen ausgerichtet.

Dazu zählt auch das auflagenstärkste Periodikum der Bundesrepublik Deutschland, die "ADAC Motorwelt" des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs mit rund 12,6 Millionen Exemplaren (III. Quartal 1998). Mit etwa 3.000 Titeln zahlenmäßig groß, aber zumeist auflagenschwach ist die Gruppe der Fachzeitschriften, zu denen man auch die wissenschaftlichen Periodika rechnet. Zum Teil erscheinen sie seit Jahrzehnten in traditionsreichen Verlagen und genießen international hohes Ansehen. Außerordentlich expansiv haben sich in den letzten Jahren die EDV-Zeitschriften entwickelt und erreichten im III. Quartal 1998 eine Gesamtauflage von 6,5 Millionen Exemplaren.

6. Elektronik revolutioniert das Pressewesen

Textverarbeitung, Satzherstellung und Umbruch mittels elektronischer Datenverarbeitung und die Übernahme neuer Drucktechniken haben die Arbeit in den Redaktionen und Druckereien von Grund auf verändert, seit Mitte der 70er Jahre die ersten Textverarbeitungscomputer in deutschen Redaktionen aufgestellt wurden. Der durch wirtschaftliche Konkurrenz erzwungene Weg zu rationeller und kostengünstiger Produktion hat auch um die Journalisten keinen Bogen gemacht und deren berufliches Selbstverständnis einer Prüfung unterzogen.

Je stärker Redakteure den Herstellungsprozeß der Zeitung beeinflussen können, desto eher werden Arbeitsplätze im technischen Bereich der Verlage entbehrlich. Gleichzeitig erlaubt die Übermittlung von Informationen auf elektronischem Wege, beispielsweise von den Nachrichtenagenturen und den Korrespondenten, eine Reduzierung der Arbeitsplätze auch in den Redaktionen.

Angesichts der strategischen Bedeutung des neu entstandenen Online-Marktes für die publizistische und wirtschaftliche Entwicklung der Zeitungen und Zeitschriften haben fast alle Verlage Online-Angebote entwickelt. Vor allem hoffen sie, auf diesem Wege Zielgruppen zu erreichen, die eine gedruckte Presse als altmodisch ansehen. Außerdem wollen sie verhindern, daß branchenfremde Anbieter den als finanzielle Basis der Presse so wichtige Rubrikenmarkt (Immobilien-, Automobil- und Stellenanzeigen) okkupieren.

Es besteht allerdings gegenwärtig nur geringe Bereitschaft bei den Nutzern, für redaktionelle Inhalte und werbliche Botschaften auf Web-Sites zu zahlen. Zukunftsträchtig scheint zu sein, über das Hyperlink einer Suchmaschine die gewünschten redaktionellen Angebote und Anzeigen kostenpflichtig bei der Zeitung selbst online abrufen zu können.

7. Publizistischer Einfluß durch wirtschaftliche Macht

Unter den deutschen Zeitungsverlegern war der Hamburger Verleger Axel Springer in den Nachkriegsjahren gewiß der bekannteste, nicht nur deshalb, weil in seinem Verlag mit der "Bild"-Zeitung die auflagenstärkste europäische Tageszeitung erschien. Für manche Intellektuelle verkörperte er, der seine Verlagsobjekte auf eine national-konservative und vehement antikommunistische Grundhaltung festlegte, das Negativbild des "Pressezaren". Ihm war es mit verlegerischem Gespür und geschicktem Kapitaleinsatz gelungen, sowohl auf den Märkten der Tages- und der Sonntagspresse wie auf dem der Unterhaltungszeitschriften Spitzenpositionen zu erobern. Nahezu 23,8 Prozent der Gesamtauflage der deutschen Tagespresse entfielen 1998 auf Blätter des Springer-Konzerns.

Noch zu Lebzeiten Springers wurde der Verlag in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die noch heute von den Erben Springers kontrolliert wird. In den letzten Jahren hat Leo Kirch, einflußreichster deutscher Händler in Spielfilmen und Fernsehprogrammen und beteiligt an mehreren privaten Fernsehgesellschaften, 40 Prozent des Aktienkapitals der Axel Springer-Verlag AG in seiner Hand vereinigt. Auch nach dem Tode Springers im Jahre 1985 liegt das Schwergewicht der Geschäftstätigkeit des Verlages im Bereich der Tagespresse; er besitzt neben den eigenen Verlagsobjekten Beteiligungen an Zeitungsverlagen mit Schwerpunkten in Norddeutschland, Berlin und den neuen Bundesländern. Engagiert ist der Konzern außerdem bei privaten Hörfunk- und Fernsehgesellschaften und expandiert zunehmend in den europäischen Medienmarkt, vor allem in Spanien und Çsterreich.

Als erster deutscher Verlag beteiligte er sich an einem Gemeinschaftsunternehmen in Ungarn, ist in Polen vertreten und gibt zusammen mit der Schweizer Ringier AG in der Slowakei und in der Tschechischen Republik insgesamt 21 Zeitungen und Zeitschriften heraus. Der Gesamtumsatz des Konzern mit 12.300 Beschäftigten betrug im Jahre 1998 fast 4,6 Milliarden DM. Zwar haben sich regional weitere auflagenstarke Zeitungsverlagsgruppen herausgebildet, so um die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" in Essen (mit knapp sechs Prozent Marktanteil die zweitgrößte Tageszeitungsgruppe), die "Süddeutsche Zeitung" München, die "Stuttgarter Zeitung", den "Kölner Stadt-Anzeiger" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", jedoch reicht ihr Einfluß im Markt der Tagespresse nicht an den der Axel Springer-Verlag AG heran.

Die fünf größten Unternehmen, die Tageszeitungen in Deutschland herausgeben, hatten im Jahre 1997 einen Anteil von rund 42 Prozent an der Gesamtauflage aller Tageszeitungen. Bei der Unterhaltungspresse hat sich gleichfalls ein Konzentrationsprozeß vollzogen, in dessen Verlauf vier Verlage bzw. Verlagsgruppen zwei Drittel der Gesamtauflage dieses Zeitschriftentyps unter ihre wirtschaftliche Kontrolle gebracht haben: Axel Springer-Verlag AG (15,8%), Heinrich Bauer-Verlag (27,8%), Burda-Verlag (9,6%) und Gruner+Jahr (7,6%).

8. Ein Medienkonzern von Weltrang: Bertelsmann AG

Der Bertelsmann-Konzern hat sich aus einem kleinen Buchverlag zum umsatzstärksten Medienkonzern Europas entwickelt. Er erzielte im Geschäftsjahr 1997/98 einen Umsatz von rund 23 Milliarden DM, davon beinahe 70 Prozent im Ausland. Hinzu kommt ein Umsatzanteil von 2,76 Milliarden DM aus der gemeinsam mit der Compagnie Luxembourgoise de Telediffusion und dem Verlag der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" kontrollierten umsatzstärksten europäischen Rundfunkgesellschaft CLT/Ufa. Durch hohe Investitionen auf dem amerikanischen Medienmarkt ist Bertelsmann jetzt der größte Verleger englischsprachiger Literatur, ist beteiligt an Buchclubs, Druckereien und - durch die Bertelsmann Music Group, in der u.a. der angesehene Schallplattenverlag RCA aufging - am Musikmarkt beteiligt. Im Bertelsmann-Konzern wird eine fast industrielle Auswertung geistiger und musischer Ideen betrieben.

Die finanzielle Basis für die Expansion verschaffte sich der Konzern durch eine nach Millionen zählende Mitgliederschaft in Buch- und Schallplattenclubs mehrerer Länder. Dadurch war er in der Lage, sich außerdem im Markt der Tagespresse und der Zeitschriften (über die Tochterfirma Gruner+Jahr), in Verlagen, Druckereien, Papierherstellung, Film, Hörfunk und Fernsehen zu betätigen. Durch ein Mehrheitsbeteiligung an dem Berliner Wissenschaftsverlag Springer (nicht zu verwechseln mit der Axel Springer-Verlag AG in Hamburg) hat Bertelsmann 1998 sein bereits vorhandenes umfangreiches Angebot von Wissenschafts- und Fachzeitschriften um fast 500 Titel erhöht. Bertelsmann betätigt sich im E-Commerce, ist beteiligt an American Online/AOL Europe und besitzt eine 50-Prozent-Beteiligung an der amerikanischen Internet-Buchhandelskette barnesandnoble.com. Die gleichgerichteten Aktivitäten hat die Bertelsmann AG in der Tochter Books Online/BOL gebündelt.

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