BEITRÄGE
Einige Beiträge von deutschen, russischen, amerikanischen usw. MedienrepräsentantInnen, ForscherInnen über Journalistik, Massenmedien, Pressefreiheit und Journalismus überhaupt.
Harald Heuer
Stellv. Leiter Journalistenschule
Ruhr
Projektleiter ZEUS -
Zeitung und Schule
Nachrichtenaufbau
"Zu Beginn des Schulfestes begrüßte der Rektor
alle Anwesenden recht herzlich."
Bekanntlich ist aller Anfang schwer, doch dieser immer wieder gern benutzte,
belanglose Einstieg in einen Artikel interessiert noch nicht einmal diejenigen,
die begrüßt wurden. Nur in sehr seltenen Fällen ist der
chronologische Aufbau eines Artikels sinnvoll. Meistens ruft er bei den
Lesern gähnende Langeweile hervor. Im Gegensatz zum Schüleraufsatz,
bei dem der Lehrer als Adressat - ob er will oder nicht - feststeht, muß
der Journalist versuchen, den Leser auf seinen Artikel aufmerksam zu machen.
In der Regel geschieht dies, wenn das Außergewöhnliche, das
Bemerkenswerte, das Aktuelle am Anfang steht. Die wichtigsten Fakten,
der Höhepunkt des Geschehens oder das aussagekräftigste Zitat
soll das Interesse des Lesers wecken, ihn betroffen machen und dazu animieren,
weiterzulesen.

Die journalistischen Darstellungsformen Nachricht und Bericht
sind nicht chronologisch, sondern nach inhaltlichen Kriterien in Form
einer Pyramide aufgebaut. In der Spitze stehen die interessantesten Informationen
mit dem höchsten Neuigkeits- und/oder Aufmerksamkeitswert. Im mittleren
Teil folgen die erläuternden Details, und den Schluß bilden
die weniger bedeutenden Fakten.
Dieser formale Aufbau - den alle Nachrichtenagenturen anwenden
- zwingt den Schreiber zu einer logischen Ordnung der Informationen und
erleichtert dem Leser das Verständnis des Textes. Der (Spitzen-)Einstieg
kann auch die Quintessenz des ganzen Artikels sein und in wenigen Sätzen
die Nachricht oder den Bericht zusammenfassen. Journalisten nennen diese
Form den Nachrichten-Vorspann.
Ob es nun der maximal fünf Sätze umfassende Vorspann der Nachricht
ist oder die ggf. etwas längere Einleitung eines Berichtes, beiden
gemeinsam ist, daß möglichst viele der sieben W-Fragen beantwortet
sein sollten.
Die sieben W-Fragen sind:
- Wer?
- Was?
- Wann?
- Wo?
- Wie?
- Warum?
- Welche Quelle?
Beispiel
Prinzessin Stephanie (wer) hat am Donnerstag um 22.10 Uhr (wann) einen
gesunden Jungen (was) im zentralen Krankenhaus von Monaco (wo) zur Welt
gebracht. Er soll Louis heißen, teilte die Pressestelle des Fürstenhauses
mit (welche Quelle). Ihr Vater (wer) gab die komplikationslose (wie) Geburt
(was) nicht persönlich bekannt, da er die Beziehung zwischen Stephanie
und ihrem Leibwächter, Daniel Ducruet, nicht billigt (warum).
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