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Journalismus |
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© Christian Maleike
Aus: Universität Leipzig, Institut für
Kommunikations- und Medienwissenschaften Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung und Klärung der Fragestellung 1. Einleitung und Klärung der Fragestellung,,Manchmal glaube ich, dass eine ganz neue Art von Journalismus auf uns zu kommen wird. In dieser Gesellschaft machen wir folgende Beobachtungen: Alles wird selber gemacht; man tapeziert selber - und bald hat auch jede Strasse ihren eigenen Fernsehbericht. Ich glaube, das diese Philosophie des Alles-Selber-Machens auch in den Journalismus einbrechen wird. Der Journalismus wird seine Faszination des Exklusiven verlieren. Das Zeitung machen, das Zeitungsproduzieren ist heute schon durch die Elektronik derart einfach geworden, davon macht man sich keine Vorstellung." Herbert Kolbe, Chefredakteur Emder Zeitung Die Informationsgesellschaft in Deutschland führte in
den letzten 10 bis 15 Jahren dazu, dass Journalisten mit ständig
wechselnden Trends und zunehmenden Arbeitsanforderungen konfrontiert wurden.
2. Zur Geschichte der MedienDurch die Erfindung eines Systems von beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg (um 1450), fand ein tiefgreifender Wandel in der Drucktechnik statt. Schon zu diesem Zeitpunkt war zu erkennen, dass ökonomische Zwänge die Verbreitung und Anwendung der Drucktechnik dominieren würden. Jedoch erfand er nicht die Technik des Druckens selbst,... er hat viel mehr bekannte Verfahrensweisen für seine Zwecke abgewandelt. Er erfand dadurch ein System des Setzens und Druckens. >1< Die Entwicklung des Buchdrucks wird von einigen Historikern als wichtiges Merkmal für das Ende des Mittelalters angesehen. Gutenbergs Erfindung brachte ihm aber keinen Reichtum. Jedoch ein reicher Mainzer Patrizier, der das Kapital zur Durchführung des Drucks zur Verfügung stellte, fuhr dadurch später mehr als 400 Prozent Gewinn ein. Schon hier zeichneten sich erste Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen Kapitalismus und Drucktechnik ab. Für die weitere Entwicklung hin zur massenhaften Produktion von Druckerzeugnissen war fast immer die Optimierung der Produktionszeit und der Produktionskosten ausschlaggebend. So ermöglichten spätere Erfindungen, wie die 1812 von Friedrich Koenig erfundene Zylinderdruckmaschine (Rotationsdruck) immer kürzere Produktionsabläufe. Später folgten dann die Linotype-Setzmaschine von Ottmar Mergenthaler (1884) oder die erste Monotype-Setzmaschine von Tobert Lanson im Jahre 1897. Weitere gravierende Veränderungen in der Zeitungsproduktion brachte
die Einführung der Telegrafie (Samuel F. B. Morse, 1837) mit sich.
Hierdurch war es erstmals möglich sich über größere
Entfernungen zu verständigen und Informationen zu sammeln, die dann
gleichzeitig in schriftlicher Form vorlagen. Jedoch dauerte es eine ganze
Zeit, bis die Technik der Telegrafie breite Nutzung fand. Dies lag vor
allem an den hohen Anschaffungskosten. Hinderlich waren am Anfang des Telefonzeitalters vor allem die geringe Reichweite, die schlechte Qualität der Übertragungen. Das ,,Fräulein vom Amt", die komplexen Handvermittlungsämter, waren ein weiteres Hindernis für schnelles Arbeiten. Mit zunehmender Reichweite und besserer Übertragungsqualität,
sowie der allmählichen Umstellung von komplexen Handvermittlungsämtern
auf automatische Selbstwahl erlangte das Telefon dann aber eine immer
höhere Bedeutung. 3. Einführung des PCUm die Geschichte der Medien im Hinblick auf den Einfluss der neuen Medien zu bewerten, macht es wenig Sinn, bei Gutenberg anzufangen und die gesamte Entwicklung des technischen Fortschritts aufzuschlüsseln. Dies ist im vorangegangenen Kapitel schon behandelt worden. In diesem Kapitel will ich mich speziell auf die letzten 15 bis 20 Jahre beziehen. Hierbei soll heraus gestellt werden, welch großen Einfluss der Computer nicht nur auf die Arbeit des Journalisten, sondern auch auf den Produktionsablauf einer Zeitung hatte. Der Computer führte zu einer technischen Revolution in der Zeitungsbranche.
Vor der Einführung von Redaktionssystemen war es üblich, dass der Journalist seine Rechercheergebnisse ,,nur" in eine verständliche Textform bringen musste. Danach fertigte er ein gut lesbares Skript an, welches als Vorlage, für weitere Arbeitsschritte diente. In weiteren Schritten wurde der Text gesetzt, layoutet, korrigiert und schließlich druckfertig gemacht. Durch diese Arbeitsteilung war ein hohes Maß an Professionalität notwendig. Speziell geschultes Personal war in allen Bereichen vertreten, z.B. Schreibkräfte, Setzer, Korrektoren. Der Journalist hatte nach seiner eigentlichen Recherche- und Schreibarbeit nur noch beobachtende und hinweisgebende Funktion. Der Vorteil dieses Produktionsablaufes war aber das geringe Risiko von Rechtschreib-, Grammatik- und Druckfehlern. Das vorgeschaltete Personal, der Journalist, wurde durch die Kontrollfunktion des weiteren Personals entlastet und konnte sich ganz seiner eigentlichen Arbeit widmen - dem Recherchieren und Schreiben. Dies änderte sich jedoch mit der Einführung des Computers.
Wie schon erwähnt, fand die Entwicklung des Computers vorwiegend
in den Vereinigten Staaten von Amerika statt. Doch noch weitere Kommunikationsmaßstäbe wurden gesetzt. Telefone, Handys, E-Mail, Internet und Fax sind heute die bevorzugten Arbeitsmittel eines jeden Journalisten. Jedoch brachte der Computer den Bleisatz an den Rand seiner Möglichkeiten.
Dies hatte zur Folge, dass man zum Offsetdruck überging. Heutzutage werden die kompletten Seiten innerhalb der Redaktion layoutet.
Der Redakteur kann den Seitenumbruch am Rechner erstellen und bearbeiten.
Über Datenleitungen werden diese Dateien dann an die Druckerei gesandt
und dort vom Rechner an die Druckmaschine geschickt. Durch die fortschreitende
Weiterentwicklung der Technik hat sich der Produktionsablauf in den letzten
100 Jahren stark verkürzt. >4<
Arbeitschritte bei konventioneller und elektronischer Zeitungsproduktion
4. Auswirkungen / Aufgaben4.1 Auswirkungen der neuen Technik & Aufgaben des Journalisten Nach anfänglicher Verzögerung investierten alle Verlage in Deutschland in neue Techniken. Grund dafür war die Angst den Konkurrenten gegenüber ins Hintertreffen zu geraten und dadurch einen Nachteil auf dem hart umkämpften deutschen Zeitungsmarkt zu erhalten. So wurde vor allem in den neuen Bundesländern stark in neue Produktionstechniken investiert. Dies bot sich nach der deutschen Wiedervereinigung an. Es wurden neue Druckereien errichtet und alle Redaktionen mit eigenen Redaktionssystemen ausgestattet. Zu den Auswirkungen dieser Investitionen gehören als herausragendste
Merkmale sowohl die ganzheitliche Arbeitsweise als auch der kürzere
und kostengünstigere Produktionsablauf. Dadurch muss der Journalist aber immer mehr Aufgaben erledigen. Er soll Schreiben und Redigieren, seiner journalistischen Sorgfaltspflicht nachkommen und ausreichend Recherchieren. Hinzu kommt, dass aber noch zusätzliche Arbeiten anfallen. Zu diesen gehören z. B. die Gestaltung des Textlayouts und die Erstellung von Infografiken. Um diese zu erfüllen benötigt ein Journalist heutzutage Kenntnisse in Layout, grafischen Darstellungsformenn und Textmanagement. Heutzutage ist ein Journalist für sein Produkt komplett verantwortlich. Er hat dabei aber freie Hand in der Gestaltung des Textes und der Grafiken. D.h. aber, dass er sowohl Recherchieren und Selektieren muss als auch den Text zu schreiben und zu layouten hat. Zusätzlich gestaltet ein Redakteur heute seine Infografiken selbst und bestimmt zum Teil welche Fotos eingesetzt werden. Dies setzt allerdings Kenntnisse in dieser Arbeit voraus. Erfahrungen mit Programmen wie Photoshop und QuarkXPress werden vorausgesetzt. Insgesamt rückt das gestalterische und organisatorische Element in den journalistischen Tätigkeitsbereich Eine weitere Hauptaufgabe heutiger Journalisten ist das Infomanagement.
Des weiteren sollen Journalisten die professionelle Kompetenz zur Beschaffung, Erstellung, Bearbeitung und Präsentation von Informationsangeboten besitzen. Das heißt, das Kenntnisse im professionellen Umgang mit dem Computer vorausgesetzt werden. Diese sind Grundvoraussetzung um die Internetrecherche, die Arbeit mit Datenbanken und Onlinearchiven vollständig nutzen zu können. Denn diese Recherchemittel erlangen eine immer größere Bedeutung in den modernen Zeitungsredaktionen. Für den Onlinejournalisten ergeben sich weitere Anforderungen in den Teilbereichen des Multimedia. Diese betreffen Kenntnisse in den Programmiersprachen wie HTML oder C++. Die klassischen Aufgaben eines Journalisten, das Schreiben und Recherchieren,
sind durch den zunehmenden Einsatz neuer Techniken ins Hintertreffen geraten.
Die Zulieferung von Agenturen und freien Mitarbeitern nimmt heute mehr
Platz in einer Zeitung ein, als selbst recherchierte Beiträge. Dadurch
nimmt das Selektieren und Ordnen der Beiträge heutzutage weitaus
mehr Zeit in Anspruch. Der moderne Journalist agiert aber nicht nur als
Informationsmanager, sondern auch als Infotainmentexperte. Ein weiteres Merkmal der technischen Weiterentwicklung ist die zunehmende Bedeutung von medien- und gesellschaftswissenschaftlichen Aspekten. Durch die neuen Medien ist die Gefahr gestiegen, dass ein Journalist sich strafbar macht, indem er ungeprüfte Informationen einfach in die Zeitung übernimmt und abdruckt. Er sollte also über ausreichende Kenntnisse im Medienrecht verfügen, natürlich auch um seine Rechte zu vertreten und einzufordern. Auch haben Kenntnisse in der Medienökonomie, Medienpolitik, Mediengeschichte und Medientechnik eine höhere Bedeutung erlangt. Insgesamt haben sich die Aufgaben eines Journalisten erweitert. Information,
Kontrolle, Kritik, Unterhaltung und Orientierung sowie die Erklärung
komplexer Sachverhalte gehören zu den heutigen Aufgaben eines Printjournalisten.
Die klassischen Aufgaben wie Recherchieren und schreiben gehören
weiterhin dazu. Nur haben sich die Recherchemöglichkeiten erweitert.
Hinzu kommen die Verantwortung für das Layout und für die Fertigung
des Gesamtproduktes. 4.2 Diskussion der Pro- bzw. Contra-Argumente der derzeitigen Entwicklung Die Entwicklung in den Printmedien hat sowohl positive als
auch negative Auswirkungen. Diese betreffen sowohl den Journalisten selbst,
als auch andere Mitarbeiter und Berufsfelder der Medienbranche. Vorteil der zunehmenden Technisierung ist die einfachere und schnellere Arbeitsweise. Alle Ergebnisse können am Rechner zusammengefasst werden und schnell und einfach in eine ansprechende Form gebracht werden. Dadurch, das nur noch eine Stelle zur Bearbeitung, Herstellung und Kontrolle der Dokumente benötigt wird, ergibt sich eine immense Kosteneinsparung. Es ist weniger Personal nötig. Ein weiteres Merkmal ist die Verschmelzung von Form und Inhalt. Dem Journalisten stehen wachsende grafische Gestaltungsfreiräume zu, dadurch, dass er für das Gesamtprodukt verantwortlich ist. Ihm stehen dabei alle technischen Mittel, wie Internetrecherche, Datenbanken und Onlinearchive zur Verfügung. Er kann Fotos in den Text einfügen und Infografiken bzw. Tabellen oder Diagramme zu Hilfe nehmen, um seinen Text anschaulicher zu gestalten. Dies setzt allerdings voraus, dass er in der Lage ist diese zu nutzen. Er muss dazu die handwerklichen Fertigkeiten besitzen. Hierdurch obliegt dem Journalisten von heute die komplette Kontrolle über das Produkt. Kenntnisse im Umgang mit verschiedenen Bildbearbeitungsprogrammen werden daher vorausgesetzt. Dies führt zu einer ambivalenten Arbeitsweise. Auf der einen Seite stehen ihm weitaus mehr Mittel zur Präsentation und Recherche zur Verfügung. Dies macht die Arbeit unabhängiger von Botendiensten. Jedoch besteht dadurch die Gefahr, dass es zur Kolportage von nicht selbstständig recherchierten Fakten kommt. Bei der momentanen ,,Materialüberflutung" in den modernen Zeitungsredaktionen bleibt kaum Zeit für Kontrolle und Rückfragen. Die Quantität überwiegt der Qualität. Vielmehr wird der moderne Redakteur zum Infomanager. Seine Aufgaben
beschränken sich teilweise nur auf die Selektion der eintreffenden
Materialien. Den ,,rasenden Reporter" gibt es nicht mehr. Der Journalist
von heute arbeitet am Schreibtisch. Er telefoniert, sucht sich seine Materialien
im Internet, in Archiven oder Datenbanken und verlässt sich auf die
Zuarbeit von Agenturen. Die Gefahr dabei Fakten nicht zu erfahren sind
unübersehbar. Im Telefoninterview fällt es dem Gegenüber
weitaus leichter einige Fakten einfach nicht zu nennen oder zu lügen.
Das Gespräch kann auch viel einfacher abgebrochen werden. Sitze ich
meinem Gesprächspartner allerdings gegenüber kann ich anhand
der Mimik und Gestik bestimmte Aspekte ablesen und das Gespräch besser
in eine bestimmte Richtung lenken. Die Anzahl der persönliche geführten
Interviews ist aber weitaus geringer geworden. Heute wird in den Redaktionen mehr selektiert und redigiert als eigene
Recherchearbeit geleistet. Vielmehr verlassen sich heutige Redaktionen
auf die Zuarbeit von Agenturen und freien Mitarbeitern. Es gibt weitaus
weniger Festanstellungen als noch vor einigen Jahren. Durch die geringere
Zeit für die eigentlichen journalistischen Arbeiten, besteht allerdings
die Gefahr, dass die Qualität der Zeitung abnimmt. >6<
Ein weiterer Vorteil des PCs ist die leichte Archivierung der Daten.
Durch die Speicherung der Daten auf einem Server oder einer lokalen Festplatte
stehen sie jederzeit wieder zur Verfügung. So können sie zu
einem späteren Zeitpunkt wieder abgerufen werden. Auch ist dadurch
eine Übertragung großer Datenmengen möglich. Wie schon angeführt kommt es in den modernen Redaktion zu einer
Materialüberflutung. Jede Redaktion besitzt heute Standleitungen
zu Agenturen und PR-Abteilungen. Die hohe Anzahl der erhaltenen Materialien
führt aber dazu, das kaum eine Kontrolle der Fakten durchgeführt
wird. Die Informationen altern viel schneller und müssen deswegen
so schnell wie möglich weiterbearbeitet werden. Dies bringt die Gefahr
von Falschmeldungen durch Kolportage mit sich. Auch durch die Zulieferindustrie
von kleineren Firmen oder freien Mitarbeitern wird dieser Trend unterstützt.
Die Gründe für die breite Nutzung dieser Angebote liegen vor
allem in der Kosten- und Zeitersparung. Auch besteht bei vielen Zeitungen
der Bedarf an fertiger Agenturware. Diese soll frei haus geliefert werden,
um dann nur noch in den Rahmen eingefügt zu werden. Dies birgt allerdings
die Gefahr einer einseitigen Berichterstattung mit sich. Individualität
und Eigenständigkeit werden in vielen Fälle auf die Lokalteile
abgedrängt, wo man Ortsteile, Vereine, Inserenten und sonstige lokale
Interessen fernab jeder TV-Konkurrenz natürlich nur individuell befriedigen
kann. Schon heute werden etwa 80% der erwachsenen deutschen Bevölkerung
über die Medien erreicht. ,,Es ist schon ein Trend zu erkennen, dass sich das redaktionelle Umfeld nach den Interessen der Werbenden zu richten hat. Diese stellen dann eindeutige Forderungen an die Programme. Oder die Medien bieten sich und ihr Medium sogar schon als werbefreundliches Umfeld an, strukturieren also ihr Medium von vorneherein so, dass Werbebotschaften gut hineinpassen. Für die dort arbeitenden Journalisten hat das zur Folge, dass die Beiträge weniger Tiefgang haben könnten, denn Werbung erfordert kurze Einheiten... Das heißt aber auch, dass das Programm nicht sehr kritisch sein darf." >7< Dieser Trend bringt eine große Gefahr mit sich. Durch die Ausrichtung der Inhalte eines Mediums nach den Interessen der Werbenden, können kritische Themen nicht einfach angepackt werden, da man seinen Kunden nicht verlieren will. Dieser bezahlt für seine Anzeigen und nicht für öffentliche Kritik. Die zunehmende Kapitalisierung des Printbereiches wie auch des gesamten Medienmarktes führt dazu, das Journalisten teilweise ihrer Kontroll- und Kritikfunktion nicht mehr nachkommen können. Die technischen Kenntnisse erworben zu haben ist eine immer größere
und wichtigere Voraussetzung um in der Medienbranche Erfolg zu haben.
Dies trifft nicht nur auf den Zeitungsredakteur zu. So besitzt ein Onlineredakteur
zum Teil die gleichen Kenntnisse wie sein Kollege im Print- bzw. Rundfunkbereich.
Dies macht einen Umstieg vom einen zum anderen Medium relativ einfach.
Es garantiert eine relativ kurze Eingewöhnungsphase. 5. Anforderungen an den Journalisten Durch die zunehmende Nutzung der technischen Möglichkeiten
haben sich die Aufgaben und demzufolge auch die Anforderungen an einen
Journalisten verändert. Jedoch hängen diese immer von den redaktionellen
Zielen und der technischen Ausstattung einer Redaktion ab. >9<
Durch die hohe Informationsdichte in den heutigen Redaktionen muss ein
Journalist hohe Selektionsfähigkeiten besitzen. Anhand der ihm vorliegenden
Agenturmeldungen muss er unterscheiden können welche Informationen
seine Leserschaft interessieren und daraus schlussfolgern, welche Neuigkeiten
er weiterverarbeiten will. In einer heutigen Redaktion laufen täglich
mehr als 2000 Meldungen ein. Daraus resultiert die Bedeutung der Layoutkenntnisse. Ein Redakteur
muss wissen wie er gestalterische Hilfsmittel benutzen kann und welche
Wirkung sie entfalten. Er muss dabei themen- und rezipientenorientiert
handeln können. Eine weitere Grundvoraussetzung eines jeden Journalisten
ist die gute Artikulationsfähigkeit. Auch wird durch die technische Entwicklung in den letzten Jahren vorausgesetzt, das der Journalist über ausreichende technische Kenntnisse verfügt. Er muss in der Lage sein alle ihm gegebenen Möglichkeiten nutzen zu können. D.h. er muss im Umgang mit Datenbanken, der Internetrecherche und der elektronischen Datenverarbeitung vertraut sein. Dadurch, das die Arbeit von Druckern, Setzern und Korrektoren auf den Schreibtisch des Redakteurs verlagert wurde, muss ein Journalist heutzutage auch Kenntnisse im professionellen Umgang mit Bild-, Ton-, und Textdokumenten besitzen. Dies sichert zusammen mit der Artikulationsfähigkeit wiederum eine optimale Vermittlungskompetenz. Zu den weiteren Kenntnissen, die ein Journalist heutzutage besitzen
muss gehört das journalistische Fachwissen. Damit ist das Wissen
über die Medien selbst gemeint. Doch sollte keinesfalls außer Acht gelassen werden, dass die Medienethik
immer Bestand des journalistischen Handelns sein sollte. In den vergangenen
Jahren war der Trend zu beobachten, das nur auf ,,Effekthascherei" ausgerichtet
gearbeitet wurde. Der ,,Leserfang" durch gezielt provokative oder gefälschte
Blattaufmachung, wie er vor allem in der Boulevardpresse zunehmend zu
beobachten ist, sollte jedem guten Journalisten als negatives Beispiel
dienen. Jedoch soll die Boulevardpresse hier keineswegs als schwarzes
Schaf der Printmedien dargestellt werden. Nur sollte in manchen Fällen
mehr darauf geachtet werden, ob alle Fakten stimmen und ob es ohne Gefahr
abgedruckt werden kann. Bestes Beispiel für einen solchen Fall, ist
der angebliche Mord an dem kleinen Joseph durch mehrere Nazis in der sächsischen
Kleinstadt Sebnitz. Dieser Fall beschäftigte ganz Deutschland über
mehrere Wochen und stellte sich später als Fehlverhalten einiger
Journalisten heraus. Sie fielen auf die zusammengetragenen, gekauften
Informationen fanatischer Eltern herein, die den Tod ihres Kindes nicht
verwinden konnten. Hierbei kam es offensichtlich zu einer Missachtung
der journalistischen Sorgfaltspflicht. Insgesamt werden also Sach- und Fachkompetenzen in Verbindung mit den
eigentlichen journalistischen Arbeitsweisen (Recherchieren, Schreiben,
Redigieren) eine Grundvoraussetzung sein für zukünftige Journalisten.
Jedoch werden Computerkenntnisse immer wichtiger werden. Hieraus entwickelt
sich ein neuer Berufszweig, der Multimedia- bzw. Onlinejournalist.
6. Wandel des Berufsverständnisses an einem praktischen Beispiel Auch in der Praxis zeigen sich die Veränderungen, die
der Einsatz neuer Techniken mit sich brachte. Um diese zu erläutern
befasse ich mich im folgenden Abschnitt mit der Leipziger Volkszeitung.
In den letzten Jahren hat sich bei der Leipziger Volkszeitung einiges
verändert, sowohl in der Redaktion selbst als auch im Produktionsablauf.
So investierte die Leipziger Volkszeitung in eine neue Druckerei und errichtete
in Stameln die modernste Druckerei Europas. Auch hier hat sich der Produktionsablauf
rapide verkürzt und ist schneller geworden. Jedoch sind nicht nur die Agenturen wie dpa und Reuters abrufbar, auch
die Bildagenturen können gleichzeitig abgerufen werden. Jeder Redakteur
kann diese dann mit dem Programm Adobe Photo-Shop bearbeiten und beschriften.
Diese Arbeitsweise macht den Gang zur Layoutabteilung überflüssig.
Allerdings leistet sich die Leipziger Volkszeitung in ihrer Hauptredaktion
in Leipzig noch eine Layoutabteilung. Zu den Anforderungen eines Journalisten gehört, so Schneider, die Fähigkeit Informationsmanagement zu betreiben. Nach seinen Vorstellungen muss ein Journalist nicht nur das Redaktionssystem ,,sattelfest" beherrschen, sondern auch in der Informationsfülle des Internets recherchieren können. Hinzu kommt noch die Nutzung der Datenbanken und Onlinearchive. Für Michael Schneider ist besonders wichtig, das ein Journalist
hohe Selektionsfähigkeiten besitzt. Das zügige und richtige
Auswählen aus einer Fülle von Bildern und Meldungen ist Voraussetzung
um journalistisch tätig zu sein. Besonders bei den Agenturmeldungen
kommt dies zum Tragen. Jedoch haben sich durch den Einsatz dieser Techniken die Arbeitsbedingungen gravierend verändert. Der Journalist hat weitaus mehr technische Hilfsmittel für die Recherche zur Verfügung. Allerdings ist er dadurch dazu gezwungen mehr Arbeit am Schreibtisch zu erledigen. Auch haben sich die Arbeitszeiten durch die neuen Arbeits- und Produktionstechniken
verändert. Redaktionsschluss für die Fernausgaben der Leipziger
Volkszeitung ist um Andererseits wurden durch das Redaktionssystem viele Arbeitsschritte einfacher, bequemer und weniger zeitaufwendig. Während beispielsweise früher noch dicke Archivordner gewälzt werden mussten, übernimmt dies heute der PC: ,,Nachdem sie bemerkt haben, welche Vorteile die neue Technik bringt, haben die Mitarbeiter die Veränderungen positiv aufgenommen", beschreibt Schneider. Jedoch kamen durch das Redaktionssystem auch neue Aufgaben für
den Journalisten hinzu. Laut Schneider ist ein weiteres Problem der neuen Medien die geringer
gewordene Kontrollarbeit untereinander. In der Leipziger Volkszeitung
werden alle Seiten meist zwischen 18:00 und 20:00 Uhr fertig. ,,Während
die Titelseite noch aufmerksam gegengelesen wird, schaut auf die dritte
Lokalseite schon niemand mehr." Besonders kritisch ist diese Situation
im Spätdienst, da dieser meist nur mit einer Person besetzt sei.
Dies ist der Unterschied zu der früheren Arbeitsweise. Dort kam
es zu einer weitaus größeren Kontrollfunktion anderer Mitarbeiter.
Sogar der Setzer in der Druckerei merzte früher noch so manchen Fehler
aus. Die Redaktion der Zukunft möchte sich Michael Schneider am besten
gar nicht vorstellen. Eine ,,Horrorvision" wäre für ihn der
virtuelle Medienbetrieb. Technisch gesehen ist eine Hauptredaktion nicht
mehr nötig. Jeder Mitarbeiter könnte zu Hause arbeiten und seine
fertigen Texte per Mail an die Druckerei nach Stameln schicken. Konferenzen
könnten über die Videotechnik abgehalten werden. Jedoch rät
Michael Schneider davon ab, da der persönliche Kontakt dabei völlig
auf der Strecke bliebe: ,,In der Kantine treffen sich Leute, die sonst
nicht zusammen kommen. Wenn jeder zu Hause für sich arbeitet, würde
das Ressortdenken weiter verstärkt werden.
7. Ein neuer Beruf - Multimedia- bzw. OnlinejournalistSpricht man über den technischen Wandel innerhalb des Printjournalismus,
sollte man das Internet nicht außen vor lassen. Das Internet war
eine der letzten einschneidenden Veränderungen in den Printmedien
in den letzten Jahren. Es hat nicht nur die Arbeit innerhalb der Redaktionen
verändert, es bietet auch ein interessantes Betätigungsfeld,
speziell für Printjournalisten. Um die Frage zu klären, warum
das Internet mit dem Medium Print so eng verknüpft ist, betrachtet
man am besten den Einfluss den das Internet auf die Arbeit innerhalb der
Redaktionen ausübt. An dieser Stelle setzt der Onlinejournalist mit seiner Arbeit an. Da
Printjournalisten schon ausreichend durch ihre Tätigkeiten beschäftigt
sind, kam es zu einer Spezialisierung innerhalb der einzelnen Redaktionen.
Doch was macht einen Onlinejournalisten aus. So gibt es in Dortmund mittlerweile eine Multimedia-Akademie, die zum
,,Online-Designer", ,,Multimedia-Autor", ,,Screen-Designer" oder ,,Multimedia-Programmierer"
ausbildet. Journalisten mit einer Kombination aus journalistischen und Computerkenntnissen sind immer noch rar. Berufseinsteiger mit solchen Kenntnissen werden in Zukunft gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Speziell für Journalisten aus dem Printbereich bieten sich Internetredaktionen als neues Berufsfeld an. 8. Trends und FazitDer Journalist unterliegt in der heutigen Zeit starken Zwängen.
Er muss in relativ kurzer Zeit viele Arbeitsschritte erledigen. Dabei
werden von ihm viele Kenntnisse in verschiedenen Teilgebieten erwartet.
Die technischen Fähigkeiten nehmen dabei einen immer größeren
Teil seiner Arbeitszeit ein. Er muss sich dabei um die Gestaltung seiner
Texte kümmern und aus einer Vielzahl an Material selektieren. Ob
man diesem Zusammenhang jedoch von einem Wandel des journalistischen Berufsfeldes
sprechen kann, bleibt der Interpretation des Einzelnen überlassen.
Gefragt sind heutzutage weitaus mehr und unterschiedlichere Fähigkeiten als noch vor einigen Jahren. Von Vorteil sind heute Kenntnisse in allen gesellschaftlichen Bereichen und vertiefendes Spezialwissen in anderen Sachgebieten. Die technischen Fertigkeiten die ein Journalist in den modernen Zeitungsredaktionen besitzen muss sind auch in starkem Maße angewachsen. Jedoch ist es Angelegenheit der Universitäten und Journalistenschulen künftige Berufsanwärter auf die Berufspraxis vorzubereiten. Das Ausbildungscredo vieler Verleger und Journalisten, das bis zu den 70er Jahren noch galt - wer schwimmen lernen will, muss ins Wasser springen - ist aus der Mode gekommen. >*< Die Arbeit ist insgesamt schneller und komplexer geworden und ist kennzeichnend für den Wandel innerhalb der Gesellschaft. Der Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Zeitungsproduktion ist unübersehbar geworden. Vor allem die ökonomischen Beweggründe waren für die technischen Fortschritte verantwortlich. Auch in Zukunft wird die Arbeit immer schneller einfacher und preiswerter sein müssen. Das es dabei zu weiteren Rationalisierungen kommen wird ist unumgänglich. Jedoch eröffnen sich dabei auch neue Chancen. In diesem Zusammenhang bietet sich speziell für Printjournalisten der Übergang in den Online-journalismus an. Dieser ist kennzeichnend durch seine Nähe zum Printjournalismus. Gefragt sein werden in Zukunft Journalisten sein, die Fach- und Sachkompetenz vorweisen können. Wer während seiner Ausbildung sowohl journalistisches als auch technisches Handwerk erlernt hat, für den wird sich ein Berufseinstieg relativ einfach realisieren lassen. Jedoch sollten die technischen Fähigkeiten keinesfalls über den eigentlichen journalistischen Aufgaben angesiedelt werden. Hauptaufgabe des Redakteurs ist immer noch die Kontrolle, die Kritik, und die Informationsverbreitung. Das Internet sollte jedoch als Chance gesehen werden und nicht nur als
neues Recherchemittel. Denn gleichzeitig bietet es auch Chancen für
neue Vermarktungswege und die Informationsverbreitung. ,,Technik ist im Journalismus nie Selbstzweck gewesen, sondern hat immer eine "dienende Funktion". Die Perspektive des Printjournalismus liegt darin, dass sich Zeitungen im Online-Zeitalter dauerhaft nur werden behaupten können, wenn sie neben der Tagesaktualität die vertiefende Differenzierung verschiedener Sachverhalte anbieten. Von jeder Meldung, von jedem Bericht, von jedem Bild, von jeder Grafik kann der Leser "weiterkommen". Er klinkt/klickt sich gleichsam über den Vordergrund der Tagesaktualität in den ihn interessierenden Hintergrund ein. Mit diesem Wunsch nach "mehr" und seiner Realisierung "Online", wird die Zeitungsredaktion zum Testfeld des Gebrauchswertes Zeitung. Ob durch eigene redaktionelle Hintergründe oder über Hypertext-Links zu Datenbanken - die Zeitung wird zum täglichen Ausgangspunkt einer elektronischen Selbstvergewisserung der Interessen ihrer Leser. Journalisten werden nicht mehr nur noch aktuell berichten, sie werden mit ihrer Arbeit eine Vielzahl von Datenbanken aufbauen oder Pfade zu solchen Datenbanken legen, die den Leserinteressen folgen werden. Um lesernah arbeiten zu können, müssen sich Journalisten von der einseitigen Ausrichtung auf Worttexte zu lösen, das Bildhafte, Illustrative, Informationsgrafische und die Chancen von Multimedia für die Vermittlung begreifen." >14< 9. Literaturangaben und Quellen1. M. Faßler / W. Halbach, ,,Geschichte der Medien", München 1998, Wilhelm Fink Verlag 2. K. Merten / S.J. Schmidt / S. Weischenberg, ,,Die Wirklichkeit der Medien", Opladen 1994, Westdeutscher Verlag 3. S. Weischenberg, ,,Journalistik - Theorie und Praxis aktueller Medienkommunikation, Band 2: Medientechnik, Medienfunktionen, Medienakteure", Opladen 1995, Westdeutscher Verlag 4. S. Weischenberg / K.-D. Altmeppen / M. Löffelholz, ,,Die Zukunft des Journalismus - Technologische, ökonomische und redaktionelle Trends", Opladen 1994, Westdeutscher Verlag 5. S. Weischenberg, ,,Journalistik & Kompetenz - Qualifizierung und Rekrutierung für Medienberufe", Opladen 1990, Westdeutscher Verlag 6. O. Jarren, ,,Medien und Journalismus 1 - Eine Einführung", Opladen 1994, Westdeutscher Verlag 7. I. Neverla, unter Mitarbeit von A, Schäfers & D. Siegle, ,,Das Netzmedium - Kommunikationswissenschaftliche Aspekte eines Mediums in Entwicklung", Opladen / Wiesbaden 1998, Westdeutscher Verlag 8. H. H. Hiebel / H. Hiebler / K. Kogler / H. Walitsch, ,,Die Medien - Logik - Leistung -Geschichte", München 1998, Wilhelm Fink Verlag 9. H.-W. Stuiber / H. Pürer, ,,Journalismus - Anforderungen, Berufsauffassungen, Verantwortung, Eine Aufsatzsammlung zu aktuellen Fragen des Journalismus", Nürnberg 1991, Verlag der Kommunikationswissenschaftlichen Forschungsvereinigung 10. E. Noelle-Neumann / W. Schulz / J. Wilke, ,,Fischer Lexikon - Publizistik und Massenkommunikation, Frankfurt am Main 1994, 7. Auflage Dezember 2000, Fischer Taschenbuchverlag 11. Journalismus, neueste Technik, Multimedia & Medienentwicklung, |
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