BEITRÄGE
Einige Beiträge von deutschen, russischen, amerikanischen usw. MedienrepräsentantInnen, ForscherInnen über Journalistik, Massenmedien, Pressefreiheit und Journalismus überhaupt.
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Professor Dr. Klaus Merten
Kommunikationsberufe: Felder, Kompetenzen, Chancen
Der Boom von Kommunikation hat dafür gesorgt, dass das Kommunikationssystem
zum vielleicht wichtigsten Teilsystem der Gesellschaft geworden ist. In
den letzten Jahrzehnten sind hier eine ganze Reihe von Tätigkeitsfeldern
entstanden. Sie entsprechen ganz grob den drei Sparten des Kommunikationssystems,
nämlich Journalismus (Information), Werbung (Überredung) und
Public Relations (Überzeugung).
Journalistische Berufe
Sie sind die ältesten Berufe im Kommunikationssystem und von daher
auch am weitesten professionalisiert. Studium, praktische Ausbildung und
Prüfung sind mittlerweile weitgehend standardisiert: Das Journalistikstudium
oder verwandte Studiengänge (Kommunikationswissenschaft, Publizistik,
Medienwissenschaft) können in Deutschland an ca. zwei Dutzend Hochschulen
studiert werden, wobei der Abschluss in der Regel als Magister (M.A.)
erfolgt. Daneben gibt es nicht-staatliche Journalistenschulen, die auch
von den großen Verlagen oder Rundfunksendern unterhalten werden.
Die praktische Ausbildung wird formal durch das Volontariat geregelt,
das zwar wünschenswert ist, aber nicht (mehr) den Rang eines Zugangskriteriums
für den Beruf Journalist besitzt.
Aufgaben von Journalisten
Das Tätigkeitsfeld lässt sich recht präzise durch die
Funktionen von Information, Kommentar und Unterhaltung beschreiben und
umfasst neben den Printmedien (Zeitung, Zeitschrift, Buch) und dem Rundfunk
(Radio und Fernsehen) neuerdings auch das Internet. Neben dem Redakteur,
der als festes Mitglied einer Redaktion arbeitet, gibt es mit steigender
Tendenz immer mehr die Rolle des freien Journalisten, der für ein
oder mehrere Organe arbeitet.
Hervorzuheben ist die nur in Deutschland zu beobachtende große
Zahl und starke Differenzierung in mehr als 20.000 Zeitschriften, insbesondere
bei Hobby- oder Special-Interest-Zeitschriften, die eine entsprechende
Spezialisierung der Berufstätigkeit nach sich zieht. Gleichwohl besteht
im Journalismus eine leichte, aber zunehmende Arbeitslosigkeit: Geht man
von etwa 50.000 Journalisten in Deutschland aus, so waren davon (1996)
1708 Journalisten (3,4%) arbeitslos. Neue journalistische Tätigkeitsfelder
tun sich vor allem im Online-Bereich auf und im sogenannten PR-Journalismus,
hier insbesondere in der Rolle des Pressesprechers.
Werbeberufe
Werbung ist als überredende (persuasive) Kommunikation definiert.
Sie soll meist zum Kauf anregen. Werbeberufe weisen wegen ihrer stark
kreativen Komponente die geringste Professionalisierung auf: Das Studium
der Werbung ist an mehreren Fachhochschulen möglich, auch in Kombination
mit einem Studiengang Design.
Die Tätigkeitsfelder sind weniger differenziert als im Journalismus
und umfassen vor allem die Wirtschaftswerbung (hier vor allem als Produktwerbung),
die politische Werbung und Werbung im Kulturbereich. Ganz grob differenziert
sich das Berufsfeld in Texter und Grafikdesigner, ferner Kundenberater
(Kontakter), Marktforscher, Producer und Mediaplaner.
Die geringe Professionalisierung weist sich auch in der fehlenden Einheitlichkeit
der Berufsbezeichnung aus: Neben dem Werber oder Werbeschaffenden gibt
es den Werbefachmann und den Werbekaufmann, aber auch den Mediaplaner.
Gleichwohl ist der Stellenwert der Werbung hoch: In Deutschland gab es
1996 84.500 Werbeschaffende, weit mehr als im Journalismus.
PR-Berufe
Vor dem Hintergrund einer sich entwickelnden Mediengesellschaft
gewinnt PR eine strategische Funktion als Management von Kommunikation,
als engineering of consent, das in eben dieser Mediengesellschaft immer
mehr zu einem Erfolgsfaktor wird. Public Relations ist das jüngste
der drei Tätigkeitsfelder im Kommunikationssystem und weist damit
die geringste Professionalisierung auf.
Schon ihre Funktion wird sehr unterschiedlich definiert: Pauschal als
Herstellung von Überzeugung, aber auch als Herstellung von Vertrauen
und Konsens und schließlich als Management von Kommunikation oder
als Konstruktion von (wünschenswerter) Wirklichkeit. Dass es mehr
als 470 Definitionen von PR gibt, weist ebenfalls auf das bislang stark
heterogene Verständnis von PR hin.
PR-Ausbildung
Ein spezifischer Hochschulstudiengang ist bislang nur an der Universität
Leipzig eingerichtet. Dagegen gibt es eine große Zahl von kommerziell
arbeitenden Einrichtungen zur Aus- und Weiterbildung, von denen das Deutsche
Institut für Public Relations (DIPR, Hamburg) und Öffentlichkeitsarbeit.de
(Heidelberg) die bekanntesten sind. Doch es fehlen ein einheitlicher Lehrplan
sowie eine übergreifende und anerkannte Einrichtung für die
Zertifizierung von Ausbildern und die Abnahme von anerkannten Prüfungen.
Es überrascht daher nicht, dass PR, wie im übrigen Journalismus
und Werbung auch, ein nicht zugangsbeschränkter Beruf ist. Auch die
entspechenden Berufsbezeichnungen wie PR-Berater, Öffentlichkeitsarbeiter
oder Kommunikationsmanager sind nicht geschützt.
Unternehmen und Agenturen schätzen zwar mittlerweile durchaus eine
akademische Ausbildung, vorzugsweise in Kommunikationswissenschaft und
verwandten Studiengängen, behelfen sich aber angesichts des längerfristig
leergefegten Stellenmarktes noch immer mit dem Prinzip learning by doing:
Entscheidend ist noch immer, wie Praktikanten in Agenturen und Unternehmen
mit der Arbeit vor Ort zurechtkommen. Haben sie Erfolg, so werden sie
eingestellt, wobei dann der (noch) nicht vorhandene Studienabschluss zweitrangig,
das Studienfach drittrangig sind.
Neue PR-Berufe
Dieser bislang fehlenden Professionalisierung steht das starke Wachstum
des Tätigkeitsfeldes PR gegenüber: Die Zahl der etwa 20.000
PR-Berater wird sich bis zum Jahr 2010 verdoppelt haben. Und an den universitären
Hochschulstudiengängen für Kommunikation, Publizistik und Medienwissenschaften
hat der Berufswunsch, der früher eindeutig Journalist/in lautete,
sich zu einem eindeutigen Public Relations gewandelt.
Mit Abstand ist dieses Tätigkeitsfeld das mit den größten
Zuwachsraten und der kräftigsten Ausdifferenzierung: Die klassische
Rolle des Pressesprechers wird heute durch eine starke segmentäre
Ausdifferenzierung des Tätigkeitsfeldes ergänzt, die vor allem
in Political Relations, Human Relations, Medical Relations, Financial
Relations, Event-PR, Krisen-PR, Sponsoring und Kommunikationsmanagement
ihren Ausdruck findet. Neue Tätigkeitsfelder wie Online-PR, Investor
Relations, Cultural Relations, aber auch Mitarbeiter-PR, Risiko-PR und
andere entstehen in so großer Geschwindigkeit, dass eine entsprechende
berufliche Ausrichtung bzw. Spezialisierung stark hinterherhinkt.
Gefragte Kompetenzen
Als PR-Berater kann man einerseits in Agenturen, andererseits in Organisationen
(Unternehmen und Non-Profit-Organisationen) tätig sein. Daneben gibt
es den Beruf des freien PR-Beraters, der sich von seiner Aufgabenstellung
stark dem Consulting nähert.
Von Agenturen und Unternehmen gefragte Kernkompetenzen für
PR sind neben a) der klassischen Redaktionskompetenz (Verfassen von Pressemitteilungen)
b) Kommunikationskompetenz (Herstellung von Kontakten), c) Konzeptionskompetenz
(Entwicklung und Durchführung von Kampagnen) und d) Managementkompetenz
(Organisation von PR, Management von Kommunikation).
Weiterführende Literatur:
Merten, Klaus: PR als Beruf. Anforderungsprofile und Trends
für die PR-Ausbildung, in: prmagazin, Jg. 28, Heft 1/1997, 43-50.
© 2002, Agenturcafe.DE
© 2002, Prof.
Dr. Klaus Merten
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