DER GORDISCHE KNOTEN von KÖNIGSBERG
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- Kaliningrader Problem.
16/12/2003
Kaliningrad: heiße Fragen, kalte Antworten
Auf die Fragen vom Autor der Webseite antwortet Prof. Heinz Timmermann
-
Herr Timmermann, wie würden Sie heutige sozial - wirtschaftliche
Lage des Kaliningrader Gebiets im Vergleich zu EU-Beitrittsländer
Litauen und Polen einschätzen?
- Die Differenzen werden sich, wenn nichts geschieht, noch weiter vertiefen:
Polen und Litauen erhalten relativ große Summen aus der EU-Beitrittshilfe,
während sich Kaliningrad mit relativ bescheidenen Tacis-Mitteln begnügen
muß.
- Hat die neue Verwaltung der sogenannten Freien Wirtschaftszone
"Bernstein" die realen Chancen wirtschaftliche Lage dieser Region
Russlands zu optimieren?
- Meines Wissens ist noch immer umstritten, ob das Moskauer Zentrum
oder Kaliningrad selbst das Direktorium der Sonderwirtschaftszone bildet.
Inhaltlich ist der Gesetzesentwurf, der wohl noch in der Duma liegt, gut.
- Nach Meinung einiger Experten ist die Koexistenz zweier Statuten
vom Kaliningrader Gebiet – Militärbase und Freie Wirtschaftszone
– grundsätzlich unmöglich. Was meinen Sie dazu?
- Die Koexistenz zwischen Militär und Wirtschaft ist keineswegs
unvereinbar. Vorausgesetzt, das Militär ist nicht wie zu Sowjetzeiten
unproportional stark und ist bereit, der Wirtschaft für Infrastruktur
(z.B. Ausweitung der Hafenanlagen) Gelände zur Verfügung zu
stellen.
- Es gilt sicher, dass das sogenannte "Kaliningrader Problem"
in Wirklichkeit vielseitig ist. Worin bestehen Ihrer Meinung nach dessen
Schwerpunkte?
- Hauptprobleme und Chancen: Unter Wahrung russischer Oberhoheit Teilintegration
insbesondere wirtschaftlich in die EU; Ansiedlung moderner Betriebe; Entwicklung
der Infrastruktur; Verbesserung des Umweltschutzes; Entwicklung des Tourismus
etc.
- Was meinen Sie zu Anliegen von gewissen deutschen Organisationen,
diese Region Russlands wirtschaftlich zu Deutschland rückkehren?
- Solche Organisationen stellen eine verschwindend kleine Minderheit
dar und haben von Wirtschaft keine Ahnung. Deutschland hat mit der Integration
seines östlichen Teils genügend zu tun. Im übrigen habe
ich den Eindruck, daß sich Rußland mittlerweile mehr vor einer
"Europäisierung" als vor einer "Germanisierung"
Kaliningrads fürchtet.
- Die Insel Russlands innerhalb der EU – ist diese Erscheinung vorläufige
oder könnte als ewige (langfristige) Sorge von EU und Russland werden?
- Die Regelung des Transits - eine Frage, die ja ursprünglich sehr
kontrovers war - läßt darauf hoffen, daß Kaliningrad
auch in umfassenderer Weise zukünftig, etwa im Kontext "Gesamteuropäischer
Wirtschaftsräume", zum Objekt der Zusammenarbeit Rußland-Europa
wird. Viel hängt also von dem Charakter der künftigen Beziehungen
Rußland-EU ab. Deutschland jedenfalls steht dem positiv gegenüber.
- Inwieweit real ist die Perspektive vom visafreien Verkehr zwischen
Russland und Schengener Staaten (EU)?
- Real ist dies allenfalls mittelfristig denkbar. Allerdings gibt es
die Möglichkeit eines stufenweisen Prozesses, wie er von Deutschland
und Rußland (Iwanow-Besuch) gerade in Berlin beschlossen wurde (Wissenschaftler,
Geschäftsleute etc).
- Meinen Sie, dass Beitritt Russlands zur EU möglich wird? Warum
ja oder nein?
- Rußland selbst strebt einen Beitritt zumindest mittelfristig
nicht an. Anstatt über einen Beitritt zu spekulieren, sollte man
die Tür halboffen lassen: Weder Beitrittszusage noch endgültige
Ablehnung. Man sollte sich auf praktische Fragen der praktischen Zusammenarbeit
in den verschiedenen Dimensionen konzentrieren und dann weitergehen.
- Inwiefern objektiv Ihrer Meinung nach stellen dieses Problem die
deutschen und russischen Massenmedien dar?
- Die deutschen Medien berichten objektiver als früher, doch überwiegen
oft noch die negativen Aspekte (Kriminalität, HIV, Migration etc).
Die russ. Berichterstattung ist gemischt: Die Schilderung objektiver Probleme
vermischt sich gelegentlich mit nationalistischen Tönen (z.B. im
Kontext der Transitfrage).
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