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Putin bittet Schröder
um Hilfe bei Kaliningrad
Wenn Polen und Litauen der Europäischen Union beitreten,
fürchtet Russland um eine Isolierung seiner Ostsee-Enklave Kaliningrad.
Deshalb wirbt Moskau um eine möglichst unbürokratische Transitregelung
für Reisen zwischen dem früheren Königsberg und Russland.
Dabei soll jetzt auch der Bundeskanzler helfen.
BERLIN. Russland sucht einen Kompromiss in dem festgefahrenen
Streit mit der EU über die künftigen Transitbestimmungen zur
russischen Ostsee-Enklave Kaliningrad. In einem Brief an Bundeskanzler
Gerhard Schröder, der am Montag in Berlin einging, schlägt der
russische Prasident Wladimir Putin dabei nach Informationen des Handelsblattes
nun zunachst ein Übergangsabkommen vor. Dies bestätigte Putins
Sonderbeauftragter für Kaliningrad, Dmitri Rogosin, dieser Zeitung.
Dabei ist vor allem an erleichterte Transitbestimmungen für Russen
durch Litauen gedacht. "Denn nur dort findet der Transitverkehr statt",
betont Rogosin. Gedacht werde etwa an Visa-Erteilungen direkt an der Grenze.
Das Übergangsregime könnte solange gelten, bis für die
EU-Beitrittsländer Polen und Litauen die vollen Bestimmungen des Schengener
Abkommens gelten. Beide Länder treten höchstwahrscheinlich zwar 2004 der
EU bei, die letzten Grenzkontrollen zu anderen Schengen-Staaten dürften
aber für sie nach Schätzung aus EU-Kreisen erst 2006 oder 2007 fallen.
Rogosin betont, es bleibe jedoch weiter Ziel Moskaus,
russischen Staatsbürgern den Transit zwischen der Enklave und Russland
"in einem realistischen Zeitraum" ganz ohne Visum zu ermöglichen.
"Immerhin hat die EU Übereinkünfte mit mehr als 40 Ländern, von
deren Bürgern sie ebenfalls kein Visum für die Einreise verlangt",
betonte er. Mehrfach war in den vergangenen Wochen in Moskau an den russischen
Nationalstolz erinnert und davor gewarnt worden, die EU dürfe Russland
nicht schlechter als Entwicklungsländer behandeln.
Weil Kaliningrad keine Verbindung zum russischen Kernland
hat, benötigen die etwa 930 000 Einwohner bei Fahrten in oder durch
die beiden EU-Beitrittkandidatenländer bisher ein Visum. Die russische
Regierung fürchtet deshalb eine Isolierung der Ostsee-Enklave, wenn alle
Anrainerstaaten ihre Kontrollen nach einem EU-Beitritt verschärfen. Die
EU-Kommission hat bei ihren Überlegungen dagegen vor allem im Auge, dass
eine illegale Einwanderung aus dem Osten unterbunden wird. Polen wiederum
dringt auf möglichst strenge Regelungen, um nach einem EU-Beitritt nicht
auf Dauer aus dem Schengen-Raum ausgegrenzt zu werden.
Ähnliche Sorgen hegt die Präsidentin Lettlands, das ebenfalls
2004 der EU beitreten will. "Ein Sonderabkommen zwischen Russland
und Litauen darf nicht dazu führen, dass die Kontrollen an der lettisch-litauischen
Grenze verstärkt werden müssen", sagte Vaira Vike-Freiberga in Berlin.
Rogosin versucht diese Ängste zu zerstreuen. "Die
russische Regierung wird mit eine Reihe von Gesetzesänderungen dafür sorgen,
dass die Kontrolle der illegalen Ein- und Ausreise so scharf kontrolliert
wird wie in den Schengen-Staaten", verspricht der Vorsitzende des
Duma-Außenausschusses nun. Die Visumsfreiheit werde im übrigen auch nur
für Russen angestrebt, nicht aber etwa für Angehörige anderer GUS-Mitglieder,
die über Russland in künftige EU-Staaten einreisen wollen.
Aus Sicht der russischen Regierung ist eine rasche Klärung
der Transitfrage auch deshalb so wichtig, weil man dann unter anderem
mit der Bundesregierung Gespräche über mögliche Hilfen für die wirtschaftlich
angeschlagene Ostsee-Region führen will. Deshalb dürfe ein zu strenges
Visa-Regime auch nicht gerade jene Mittelschicht in Kaliningrad behindern,
die grenzüberschreitende Geschäfte mache.
Nachdem Rogosin am Montag Gespräche im Auswärtigen Amt
führte, wird er am Donnerstag in Warschau die russischen Ideen vorstellen.
Am 2. September trifft er in Brüssel unter anderem mit EU-Erweiterungs-Kommissar
Günther Verheugen zusammen. Die Kommission plant bisher, ihre Vorschläge
zu Kaliningrad am 18. September vorzulegen. Keine Rolle mehr spielt die
Idee eines "Korridors" zwischen Kaliningrad und dem russischen
Kernland. "Dies hatte die russische Regierung auch nie offiziell
vorgeschlagen, weil sie wusste, wie negativ dieser Begriff besetzt ist",
betonte Rogosin.
Die Hoffnung, die Bundesregierung könnte sich für das
russische Anliegen stark machen, sieht man in der deutschen Hauptstadt
mit gemischten Gefühlen. Schon aus historischen Gründen will man sich
beim Thema Kaliningrad bedeckt halten. Zudem hat gerade die polnische
Regierung ihre Sorgen bei diesem Thema übermittelt: In Warschau ist die
Sorge groß, die EU und Russland könnten eine Kaliningrad-Lösung über den
Kopf der Polen hinweg vereinbaren.
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