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Sammlung von unterschiedlichen Beiträgen zu den
Themen Massenmedien, Politik und Gesellschaft

20/10/2001 - Andrej
Kobiakow
Große Probleme der kleinen Medien
Die Massenmedien einer der günstigsten Regionen Rußlands
sind in der Abnormität ihrer Entwicklung nicht originell
Der Vortrag für das 4. internationale wissenschaftlich-praktische
Symposium zum Thema "10 Jahre Entwicklungen in der Politik - 10
Jahre Entwicklungen in den Medien. Ein russisch-deutscher Vergleich"
- Moskau, Freies Russisch-Deutsches Institut für Publizistik.
Der Anfang der demokratischen Umwandlungen in Rußland und der Zerfall
der UdSSR gaben den mächtigen Anstoß zur Geburt der neuen Medien.
Es galt dabei nicht nur für die ganz Neuen, die zuvor nie existiert
hatten. Die ehemaligen Partei- und sowjetischen Sprachrohren fingen auch
an, die neuen, manchmal bis zur Unkenntlichkeit ungestaltete Züge
und Formen zu erwerben.
Es muß darauf hingewiesen werden, daß diese Entbindung
fand erfolgreich statt, ABER sie wurde entweder von alten Hebammen das
heißt von umgefärbten Kommunisten oder von so genannten neuen
Demokraten mitsamt legalisierten Banditen übergenommen. Und die repräsentativen,
höchstpopulären und bereits gut eingerichteten Medien sind im
Augenblick ein Eigentum der neuen Wirte geworden.
Im Endeffekt wurde der Medienraum, im Grunde genommen ein Spiegelabbild
der ganzen russischen Gesellschaft. Bis jetzt eigen ihm hohe Polarisation,
Papierföderalismus, laufende Eigentumsneuaufteilung, niedrige Niveau
der Kultur und beziehungsweise Qualität aller Tätigkeiten, und
vor allem die Abwesenheit der zivilen Grundlagen.
In Provinz zeigen sich alle negativen Symptome am schärfsten. Aber
ich erzähle in wenigen Worten, wie es in Tatarstan steht. Diese Region
ist nicht arm, und ihre eigene Verfassung sollte vor den Putins Reformen
eine der fortschrittlichsten Regionalgesetzen in Rußland sein.
Heute sind in der Republik mehr als 500 Medien angemeldet. Also, für
die Bevölkerung, die kaum größer, als in Berlin ist, werden
mehr als 400 Druckausgaben vergelegt, funktionieren 65 TV-Gesellschaften
und Sender, sowie 2 Presseagenturen - beide werden vom Staat finanziert.
Quantitativ nemen die Massenmedien von Tatarstan den zweiten Platz in
Rußland nach seinem Nachbarn, auch relativ unabhängigen Baschkortostan.
Trotz solcher Anzahl der Medien ist unser Informationsraum sehr primitiv
veranstaltet. Die linke Flanke des Kampfes für die Wahrheit
ist vom mächtigen Netz der ungewandten und insgesamt armen Staatsmedien
vorgestellt, und der rechte Block besteht aus kleinerer Menge der flexibleren,
gut ausgestatteten privaten Ausgaben und Kanälen. Ihr allgemeiner
Wesenszug in der letzten 5-6 Jahre ist natürlich die hohe Politisierung.
Der Journalistenverband Russlands ist in der Region mit dem Journalistenverband
Tatarstans vorgestellt. Neulich wurde hier wie auch in Russland eine Niederlassung
des Putintreuen sogenannten Media-Bundes geschaffen. Und die
örtliche Abteilung wurde mit Skandal gegründet. Es war die komische
Situation: Zwei Gruppen von Chefredakteuren hatten ihre Gründungsversammlungen
gleichzeitig durchgeführt. Auf der Jagd nach dem möglichen Profit
hatten sie die zwei einander verdoppelnden Abteilungen. Die meisten Fachjournalisten
sind übrigens diesen Einrichtungen gegenüber ganz und gar indifferent.
Wir verstehen klar, daß keine von ihnen die Vollmächte verfügt,
uns uneigennützige Hilfe zu bringen.
Die Abnormität der Existenz der örtlichen Medien zeigt sich
durch den ganzen Komplex der destruktiven Tendenzen. Die überwiegende
Mehrheit von Massenmedien gehört dem Staat, folgt den von oben ausgehenden
Anweisungen, lobbiert politischen Kurs der Ortsregierung, filtert aufmerksam
die Information laut dem Prinzip gestatten - verboten.
Bis zum Unsinn aufgeblähter Apparat von sogenannten Hofjournalisten
arbeitet in dem harten finanziellen Schraubstock eines von Ministerien
(heute ist es z.B. das Ministerium für Post- und Fernmeldewesen)
und unter dem mächtigen ideologischen Druck von drei (!) Oberpressezentren
- die bei Präsidenten, Regierung und Parlament. Außerdem, haben
die eigenen Pressezentren jedes Ministerium und jedes Amt. Darüber
hinaus werden die neuen regierungstreuen Medien.
Ich möchte hier ein sehr bezeichnendes Beispiel anführen.
Vor anderthalb Jahr ist in einer der Oppositionszeitungen ein Finanzskandal
geschehen. Wie es oft in besten Familien auch vorkommt, könnten die
Mitarbeiter und der Chefredakteur dieser Zeitung die Aktionen nicht aufteilen.
Dadurch wurde eine Gruppe der Journalisten gekündigt. Aber nach einigen
Monate wurde für das Geld der örtlichen Oligarchen auf Weisung
von oben eine neue regionale Zeitung gegründet.
Zum Zweck hat man dabei die Verstärkung des Einflusses auf die
Öffentlichkeit im Vorfeld von der Märzpräsidentenwahlen.
Nachdem die Wahlen zu Ende kamen, war die Finanzierung teilweise aufgehört
worden, und heute liefert man diese Zeitung nur einmal pro Woche, findet
man dabei Skandaltheme, nimmt man für beliebige zur Regierung loyale
Aufträge.
Es ist ganz klar, daß unter solcher Bedingungen und bei rückständigen
Gründern die meisten Staatsmedien im Armut vegetiert. Erstens, dürfen
sie auf große Auflagen kaum rechnen, weil all sie im Grunde genommen
dasselbe Lied singen (bloß in verschiedener Bearbeitung). Zweitens,
sollen sie manchmal bis auf Drittel ihrer Zeitungsflächen für
offizielle Informationen gewähren. Drittens, die Nichtigkeit der
Staatsalmosen drängt diese Medien zum Verkauf ihrer sonstigen
Zeitungsflächen.
Der populärste Trick ist hier die sogenannte verborgene Werbung,
die minderwertige Herstellung von publicity. Für Gelder tauchen
in Zeitungen die lobenden Skizze und Reportagen auf, für Gelder darf
jeder Unternehmer oder auch ein Beamte das Interview mit sich bestellen,
für Gelder werden zweifelhafte Firmen und verdächtige Beamten
als solide Betriebe und Wohltäter gezeigt.
Fur kein Geld ist aber die prinzipielle Kritik an erste Personen
moglich. Die Flexibilitat der Kommentaren der föderalen Ereignissen
bedingt von laufenden Beziehungen zwischen Kasan und Moskau. Der Ungehörsam
gefährdet den Chefredak-teuren mit der Entsetzung.
Nicht weniger abnorm entwickeln sich aber die sogenannten freien
Medien.
Offen gestanden, einige von ihnen bedecken bloß mit den gelben oder
Boulevardhüllen ihr Finanzengagement und ihre Spender bzw. Besitzer.
Die reich illustrierten Layouts, schreienden Schlagzeilen, Skandalen und
Tratschen, unbestätigte Tatsachen maskieren ihr käufliches Wesen.
Ihr wahrhaftes Gesicht entblößt sich aber während der
Wahlkampagnen und während der Streiten zwischen Region und Zentrum.
Eine von ihnen stehen ab sofort auf die Position der lokalen Behörden
auf, alle übrigen gebärden sich wie Strichmädchen, mal
mit der Macht, mal mit der Opposition anbändelnd.
Das allgemeine ernste Unglück aller Druckausgaben Tatarstans folgert
sich aus dem Monopol des Ministeriums für Post- und Fernmeldewesen
auf Vertrieb der Zeitungen und Zeitschriften. Es ging bis zum Unsinn:
85 Prozent des Selbstkostenpreises eines Zeitungs-exemplars fallen auf
diese Dienstleistungen.
Die Stadtzeitungen versuchen freilich, entsprechende Ressorts innerhalb
ihrer Redaktionen zu schaffen, aber die Republikzeitungen würden
wohl noch lange dieses schmarotzende Ministerium auffuttern.
Besonders beunruhigt uns heute das reale Gefahr der Aufhebung des föderalen
Gesetzes über die Steuerprivilegien für die Massenmedien. Wenn
es passiert, dann etwa Viertel regionaler Zeitungen und Zeitschriften
geschlossen werden.
Und das letzte Problem, das heute jeden vernünftigen Bürger
sorgen sollte, ist der Übergang der tatarischen Sprache vom kyrillischen
zum lateinischen Alphabet.
Dieses Projekt war in der Euphorie der Idee der nationalen Wiedergeburt
vom Parlament Tatarstans verabschiedet worden. Dadurch würden nach
meiner Meinung die Auflagen aller tatarsprachigen Druckausgaben im Augenblick
abgestürzt sein.
Es könnte wohl Erstaunen oder auch ärgern meinen Kollegen
erregen, daß ich hier nur auf negative Erscheinungen die Aufmerksamkeit
konzentriert hatte. Aber noch eine öffentliche Aufzählung
unserer für diese 10 Jahre gelungenen Ereignisse
würde kaum zu weiteren Fortschritt beitragen.
* - ...daß ich heute die Möglichkeit habe,
diese Worte furchtlos sprechen:
- Meinungsfreiheit,
- Geschäftsfreiheit,
- offener Dialog mit dem Westen,
- verbreitete internationale Kontakten...
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