NOCH MEHR?.. Bunte Mischung wissenswerter Informationen; interessante
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Weltfeind Nummer Eins?
Biografie von Osama bin Laden
"Zum Attentat vom 11.9.2001 in den USA ist
zu beobachten, dass der Ruf nach Rache die Stimme der Besonnenheit übertönt.
Wir wollen von Weltchronik.DE unseren Beitrag zur Stärkung vernünftigen
Verhaltens leisten. Wir legen Wert darauf, dass damit keinesfalls eine
anti-amerikanische Position bezogen werden soll, wie wir auch nicht unbedingt
einer unreflektierten proamerikanischen Stimmung Raum zu geben wünschen."(ICA-D).
Die Jugendjahre bis zum Zusammenbruch der sowjetischen Invasion in
Afghanistan
Die Kindheit und das Elternhaus
Geboren wird Osama bin Laden 1957 in Saudi-Arabien
als Sohn einer syrischen Mutter und eines jemenitischen Vaters. Osama
ist der siebte Sohn von Muhammad Awad bin Laden, insgesamt hat die muslimische
Großfamilie 50 Kinder.
Der Vater Muhammad Awad war um 1930 aus dem
südjemenitischen Hadramout in das Königreich Saudi-Arabien gekommen
und verdingte sich dort zunächst als Gepäckträger in Jiddah
und gründete irgendwann später ein Baugeschäft. Sein Aufstieg
zum der Schätzung nach 50fachen Dollarmilliardär verdankt der
bin Laden Familien-Clan engen Verbindungen bereits des Vaters zum Königshof
von Ibn Saud. Der Aufstieg begann, als bin Laden königliche Paläste
weit unter den niedrigsten Geboten seiner Wettbewerber zu erstellen began,
und fanden ihre 'Zementierung', als seine Firma 1964 zum exklusiven
Auftragnehmer aller öffentlichen Bauaufträge per königlichem
Dekret bestimmt wurde.
Die Beziehungen des Vaters Muhammad Awad bin Laden zum engsten Kreis
der Königsfamilie halfen vermutlich, in den Anfang der 60er Jahre
ausgebrochenen Konflikt zwischen dem seit 1953 regierenden
Ibn Abd Al Asis Saud und dessen Bruder Faisal vermittelnd einzugreifen
und 1964 den Sturz
des Regenten durch Faisal unblutig verlaufen zu lassen.
Der gestürzte Regent hatte den Staatsbankrott Saudi-Arabiens herbeigeführt
gehabt, und es war bin Laden, der die Gehälter der Staatsbediensteten
des Landes sechs Monate lang vorstreckte. Als Dank erhielt er fortan,
wie erwähnt, sämtliche öffentlichen Bauaufträge im
Lande, so 1969 den Wiederaufbau
der durch eine Feuersbrunst zerstörten Al-Aqsa Moschee in Mekka.
Den Mord an Faisal von 1975 erlebte
der strenge und dominante aber auch in muslimischer Tradition großzügige
Vater bin Laden nicht mehr, er starb 1970. Osama
bin Laden war zu der Zeit 13 Jahre alt.
Die Jugendjahre bis zum Zusammenbruch der sowjetischen Invasion in
Afghanistan
Die Studienzeit
Der früh zu Selbständigkeit, Selbstbewusstsein und Religiosität
erzogene Osama heiratete 1974 im Alter
von 17 Jahren ein syrisches entfernt verwandtes Mädchen und studierte
Verwaltungswissenschaften in Jiddah, wo er 1981 an der
König-Abdul-Aziz-Universität sein Abschlussdiplom erhielt. Die
von Osama persönlich bereisten Länder gehören ausschließlich
zur arabisch-islamischen Welt, ihm nachgesagte Reisen in die Schweiz,
auf die Philippinen oder nach London entbehren jeder Grundlage.
Schon der Vater bin Laden gewährte während des 'Hajj', der
'Großen Pilgerfahrt' eines Muslim nach Mekka als 'Fünfte Säule'
beziehungsweise Pflichtteil des praktizierten Islam, Hunderten von Pilgern
aus aller Welt, insbesondere einflussreichen islamischen Geistlichen und
Gelehrten, als Gastgeber Unterkunft und Betreuung. Diese Tradition wurde
von den älteren Brüdern Osamas konsequent fortgesetzt, so dass
er stets von außergewöhnlichen multinationalen Vertretern seines
Glaubens umgeben war.
Wie viele seiner Zeitgenossen folgte auch Osama einem Trend der 70er
Jahre und trat der Organisation der Muslimischen Bruderschaft bei, der
'Muslim Brotherhood', was aus heutiger Sicht weniger bedeutend erscheint,
aber seine erstklassigen Kontakte auch außerhalb islamischer Kernländer
erklären hilft. An der Universität von Jiddah hatte Osama dagegen
zwei sehr einflussreiche Lehrer: den Islamwissenschaftler Abdullah Azzam,
der später in Afghanistan eine bedeutende Rolle spielen sollte, und
den berühmten islamischen Philosophen und Schriftsteller Mohammad
Quttub.
Widerstand gegen die UdSSR in Afghanistan
1982 schließlich
entschloss sich Osama bin Laden, erstmals auch direkt nach Afghanistan
hinein zu gehen. Er brachte eine größere Zahl von Baumaschinen
wie dringend zur Abwehrlogistik benötigte Bulldozer und ähnliches
Gerät ins Land. Und schließlich etablierte er 1984 in Peshawar
das 'Baiul´ansar' genannte Gasthaus, das fortan erste Anlaufstelle für
nach Afghanistan eindringende Freiheitskämpfer war.
Zeitgleich baute der Widerstandskämpfer und Freund Osama bin Ladens,
Abdullah Azzam, dort das Service-Büro für den 'Jihad', den 'Heiligen
Krieg' gegen die UdSSR auf, das sehr aktiv war im Nachrichten- und Public-Relations-Bereich.
Nach und nach erreichten diese beiden vom Westen sehr begrüßten
Akteure des Widerstands gegen die UdSSR eine Verstärkung des Zustroms
Freiwilliger aus allen arabischen Ländern der Welt nach Afghanistan.
Wenn Oslama bin Laden während dieser Zeit selbst in Kämpfe verwickelt
gewesen sein sollte, so geschah dies sicherlich eher zufällig als
geplant.
Erst 1986 entschied
sich Osama, innerhalb Afghanistans eigene Widerstands-Camps aufzubauen
und zu unterhalten, und bis 1988 entstanden
mehr als sechs von ihnen, wobei einige mehrfach verlegt werden mussten.
Er begann nun in Afghanistan seinen 'eigenen' Krieg, mit von ihm bestimmten
und geführten Gefechten und auch größeren Schlachten.
Die militärische Leitung vieler seiner Operationen lag wohl in den
Händen von syrischen und ägyptischen Veteranen und Militärexperten.
Das erste größere Gefecht dieser Art mit den Sowjets war die
Schlacht bei Jaji in der Provinz Baktia, 200 km von Khost entfernt. Von
1984 bis 1989 führte
Osama Hunderte kleinerer und mindestens fünf größere Gefechte
an oder war an solchen beteiligt. Er verbrachte in diesen Jahren den überwiegenden
Teil seiner Zeit in Afghanistan, mit Heimataufenthalten in Saudi-Arabien
von zusammen genommen höchstens vier Monaten pro Jahr.
Zur aktuellen Begriffswelt der Medien
Es gibt an dieser Stelle Einiges aus der nicht nur islamischen Begriffswelt
ins rechte Licht zu rücken, was bei den 'üblichen' Massenmedien
nicht unbedingt deutlich oder gar irreführend dargestellt wird.
Wenn von 'Jihad' die Rede ist, so ist nicht gleichzeitig damit ein 'Heiliger
Krieg' gemeint. Mit diesem Begriff ist zunächst einmal nur das 'Sichbemühen
auf dem rechten Weg' zu verstehen, das allerdings auch die Verteidigung
des Islam mit der Waffe beinhaltet. Naturgemäß ist im 'Jihad'
in radikal-islamischen Kreisen, wie im Islamismus an sich, ein Motivationszentrum
des Handelns zu sehen.
Es wird immer wieder kolportiert, bin Laden hätte den USA ab Ende
der achtziger Jahre bis heute, sicherlich um 1998 herum
mehrfach 'den Krieg erklärt'. Dem dürfte SO nicht sein.
Vielmehr hat Osama bin Laden, der inzwischen zu einer islamisch-religiösen
Kompetenz geworden war, sicherlich mehrfach eine 'Fatwah' gegen die USA
ausgesprochen. Eine solche 'Fatwah' ('Fatwa', 'Fatwaa') ist zunächst
einmal ein islamisch-reliöses Rechtsgutachten, das nicht unbedingt
gleich für alle, für radikal-islamische Muslime allerdings sehr
wohl als bindend anzusehen ist, und das stets die Aufforderung zum Handeln
impliziert.
Der westlichen Welt wurde die Konsequenz einer solchen 'Fatwah' z.B.
1989 bewusst,
als der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini eine solche
gegen den Autor der 'Satanischen Verse', Salman Rushdie, ausgesprochen
und ihn damit für vogelfrei erklärt hatte, was nicht ein 'Todesurteil'
in dem uns gewohnten Sinne, diesem de facto jedoch gleich zu setzen war,
weil es von einem radikalen Muslim nicht anders aufgefasst werden konnte.
Dass nun so ein 'unbedeutender Rebell' aus Afghanistan heraus die so mächtige
USA für 'vogelfrei' erklärt haben soll, machte im Westen vor
dem 11.9.2001 wohl Niemanden so recht nervös - Rushdie lebt ja schließlich
auch noch.
'Der größte Terrorakt der Geschichte'? - Da stockt dem Chronisten
der Atem. Die größten Terror-Aktionen der Weltgeschichte waren
ja doch wohl eher die Atombombenattentate der USA auf die japanische Zivilbevölkerung
1945, der
systematische britisch-amerikanische Bombenterror gegen die deutsche Zivilbevölkerung,
der Genozid der Deutschen an Juden und anderem 'unwerten Leben' während
des Zweiten Weltkrieges, die Ausrottung der nordamerikanischen Ureinwohner
durch die USA, die durch die Portugiesen ab etwa 1483 eingeleitete
und die Briten in großem Stil bis ins 19. Jhdt. hinein organisierte
Verschleppung und Versklavung ganzer meist westafrikanischer Volksgruppen
nach Mittel- und Nordamerika, und, und, und... eine beliebig lange Liste
ließe sich hier erstellen. Was nicht heißen soll, daß
der Terror vom 11.9.2001 jetzt kleingeredet werden soll. Leider wächst
die Größe der Worte proportional mit der vermeintlichen Größe
eines Politikers.
Angriff auf die 'zivilisierte' Welt? Was hat das Attentat mit 'der Zivilisation'
zu tun? Die angegriffen Objekte waren Inbegriff von militärischer
und monetärer MACHT des WESTENS, insbesondere der USA. Nun mag man
gerne annehmen, dass die Angriffe von bis dahin vermeintlich OHN-MÄCHTIGEN
geführt worden sein könten. Ja, ARM zu sein ist gleichbedeutend
mit MACHTLOS zu sein. Was wäre aber, wenn sich herausstellen würde,
dass die Drahtzieher hinter dem Ganzen schlicht 'zivilisierte' Börsenspekulanten
wären (ich empfehle hierzu, den Aktienkurs der Münchner Rückversicherungs
AG um den 11.9.2001 herum zu analysieren), welche hoch erfreut die Selbstopferbereitschaft
fanatisierter Muslime missbraucht? Wieso redet der Westen einen solchen
Zivilisationskonflikt herbei, wo doch gerade erst die USA aus ihrem weltweiten
Anti-Drogenprogramm den Taleban-Terror an der eigenen - vor allem weiblichen
- Bevölkerung in Afghanistan mit 43 Millionen US$ unterstützt
haben, damit dort kein Opium mehr angebaut wird. Ist es etwa eine 'zivile'
Geste, Genozide zu finanzieren? (Siehe hierzu: DrugSense
-englisch-.
Schließlich noch ein Wort zum kleinlichen Streit um die Schreibweise
seines Namens: Osama, Usama, Ibn, Bin, bin, Laden, Ladin, Ladan,.. usw.
Ich zitiere hier dankbar eine mail von Dr. Golzio an mich: "Bin oder Ibn
ist ein Streit um Kaisers Bart, da im Arabischen wie in allen semitischen
Sprachen die Vokale nur eine untergeordnete Rolle spielen (manchmal werden
sie durch Vokalzeichen dargestellt, häufiger aber nicht). Es ist
also austauschbar und offensichtlich nennt sich Usama "Bin", wenngleich
im Hocharabischen "Ibn" die Standardform ist, d. h. wenn er in den Supplementbänden
der Encyclopaedia of Islam (erscheint seit 1951 in Leiden,
ist gegenwärtig beim Buchstaben "W") einen Eintrag erhalten sollte,
werden diese ihn wohl unter "Ibn Ladin" lemmatasieren.
Vom Widerstandskämpfer zum Terroristen
Zurück in der Heimat Saudi-Arabien
Nachdem sich die UdSSR im Februar 1989
nach hohen Verlusten, ohne einen Sieg errungen zu haben, aus dem seit
Ende 1979
okkupierten Afghanistan zurück gezogen hatte, organisierte Osama
bin Laden seine sechs oder sieben dort und im Nordwesten Pakistans stehenden
Widerstandsgruppen dergestalt um, dass die bei den Mujahidin in der Gesamtheit
als 'Al-Qa´edah' bekannten Lager und Stützpunkte mit verbesserter
Kommunikationsstruktur auch auf sich selbst gestützt ohne ihn funktionsfähig
bleiben konnten - eine bereits 1988
in Angriff genommene und jetzt Ende 1989
wohl abgeschlossene Aufgabe. Während des 10jährigen Widerstandes
war er ja regelmäßig, wenn auch nur für kurze Zeit, in
seine Heimat Saudi-Arabien zurück gekehrt gewesen, allerdings wohl
so gut wie stets 'verdeckt'. Diesmal, Ende 1989
, reiste er in seine Heimat auf ganz normalem Wege zurück. Bei seiner
Ankunft wird ihm als Erstes von den Behörden Saudi-Arabiens die Wieder-Ausreise
verweigert und wohl auch der Reisepass entzogen - ihm, der doch der Sache
des 'Jihad' so trefflich gedient hatte.
Was war geschehen?
Er, Osama, der Sohn eines zwar mächtigen aber
immerhin 'zugereisten' Familien-Clans, hatte erheblich mit dazu beigetragen,
eine der beiden Supermächte jener Zeit in die Knie zu zwingen. So etwas
erweckt Misstrauen und Verdacht in einem Staat, der auf 'Ausgleich' zwischen
den beiden Weltmächten bedacht und in gewissem Grade vom Wohlwollen
wenigstens einer von beiden abhängig ist. Dass mit Letzterem die USA
und ihre Verbündeten gemeint sind, passte bestimmt nicht in die mittlerweile
stark anti-imperialistisch geprägte Gesinnung eines Osama bin Laden,
der inzwischen 10 Jahre seines Lebens als aktiver Widerstandskämpfer
verbracht hatte. Genausowenig passte Osama in das Weltbild des saudi-arabischen
Polizeistaates jener Zeit.
Osama bin Ladens Familie stammte aus dem Südjemen, der spätestens
seit 1970 als 'Volksrepublik'
kommunistisch regiert und von der UdSSR 'künstlich beatmet' wurde.
Osama, der gerade 'den Feind' an der einen Front in Afghanistan 'nach
Hause' gekämpft hatte, war vermutlich seit längerer Zeit an
der Fortsetzung resp. Ausweitung des Widerstandes gegen die Sowjets im
Jemen interessiert. Dies konnte nicht im Sinne der Saudis sein, welche
die seit 1982 laufenden
Verhandlungen über die Wiedervereinigung beider Teile des Jemen -
natürlich unter Federführung des saudi-nahen aber kleineren
'Nord'-, eigentlich 'West'-Jemen - zu einem bevorstehenden Ende bringen
wollten (am 22.5.1990 wurde
dieser Schritt vollzogen).
Osama bin Laden fiel in seiner Heimat Saudi-Arabien nach seiner Rückkehr
im Spätjahr 1989 dadurch
auf, dass er in öffentlichen Vorlesungen, Reden, Interwiews vor einer
bevorstehenden Invasion des von Saddam Hussein diktatorisch geführten
Irak gegen das -wie Saudi-Arabien- pro-westliche Kuwait warnte. Saudi-Arabien
unterhielt zu jener Zeit beste Beziehungen zum Irak, der ja spätestens
seit Beginn der palästinensischen 'Intifada' gegen Israel am 9.12.1988 zur anti-israelischen
Front arabischer Staaten gehörte, auch wenn es da heftige Kriege
zwischen Irak und Iran um die Vorherrschaft am Persischen Golf gegeben
haben mag, was man in der arabischen Welt als bilateralen Konflikt erachtet
hatte.
Osama bin Laden, der vermutlich die Reaktion seines Heimatlandes nicht
geahnt hatte, unterwirft sich in der Folgezeit trotz oder gerade wegen
des Reiseverbots den Auflagen der Saudis, 'sich bedeckt' zu halten. Er
verbrachte darüber hinaus Ende 1989 viel Zeit
damit, das saudische Königshaus vor der bevorstehenden Invasion Kuwaits
durch den Irak zu warnen - Wochen, bevor genau dies dann auch geschah.
Und dann kamen die USA und mischten sich zusammen mit einer stattlichen
Zahl westlich orientierter Mitstreiter in einen -nicht nur aus der Sicht
Osama bin Ladens- inner-arabischen Konflikt in einer Weise ein, welche
allein deshalb als die arabische Würde verletzend engesehen werden
musste, weil plötzlich bewaffnete 'Ungläubige' ihre Ausgangsstellungen
und Militär-Camps in unmittelbarer Nähe der allerheiligsten
Stätten des Islam, Mekka und Medina, erichtet hatten und nicht daran
dachten, diese nach vorläufiger Bereinigung des irakisch-kuwaitischen
Konfliktes zu verlassen...
Vom Widerstandskämpfer zum Terroristen
Golfkrieg und Flucht aus der Heimat
Als Osama bin Laden nach seiner Rückkehr in seine Heimat Saudi-Arabien,
vermutlich im Herbst 1989, trotz
Einschränkungen seiner persönlichen Freiheiten und Freizügigkeiten
die saudische Öffentlichkeit und das von König Fahd (Fahad)
geführte saudische Königshaus unermüdlich vor einer bevor
stehenden Invasion des Iraks in das kleine aber ölreiche Kuwait warnte,
tat er sich selbst damit keinen persönlichen Dienst: er geriet mehr
und mehr in das Visier der vom saudischen Innenminister Prinz Nayef geleiteten
saudischen Sicherheitsbehörden. Man bekundete dem zwar geldmächtigen,
aber immerhin 'zugereisten' bin Laden lediglich, dass man sich um die
Angelegenheit kümmern wolle.
Am 2.8.1990 geschieht
dann das, was Osama bin Laden seit Monaten warnend gepredigt hat: Die
Invasion Kuwaits durch den Irak. Ein islamisches Land überfällt
das andere, Bruderstaaten im Glauben, nicht allerdings im Weltgetriebe.
Sofort nach dem Überfall, bei dem ja auch die Invasion des Agressors
in Saudi-Arabien als Perspektive nicht mehr auszuschließen war,
wandte sich der inzwischen zum 'underdog' und - zumindest bei den saudischen
Behörden - gelinde gesagt als 'Störenfried' mutierte Osama bin
Laden noch einmal an das saudische Königshaus, das ja ihre Existenz
zu nicht unerheblichen Teilen der Unterstützung des bin Laden Clans
zu verdanken hatte, und legte wohl einen Abwehrplan vor, der den inner-arabischen
Konflikt inner-arabisch lösen sollte. Bei dieser Gelegenheit hat
bin Laden wohl auch das Engagement seiner in Afghanistan aufgebauten Gruppen
von jetzt mehr oder weniger autonomen, aber sicherlich 'arbeitslosen'
Widerstandskämpfer der in der arabischen Welt inzwischen als 'arabische
Afghanen' bekannten und hoch geachteten Kampftruppen und Gefolgsleute
angeboten gehabt.
Die Antwort des pro-amerikanischen Königshauses an den misstrauisch
beäugten siebten Sohn eines 'Zugereisten' war hinhaltend. Die Weichen
waren anders gestellt. Die jetzt folgende Entwicklung hatte entscheidenden
Einfluss auf bin Laden, sie stellte den Beginn seiner offenen Feindschaft
gegen die USA dar.
Am 17.1.1991 intervenierten
dann 31 'west-alliierte' Staaten unter Duldung (nicht im Auftrag) der
UNO und unter militärischer Führung der USA im als '2.Golf-Krieg'
bekannten Konflikt unter Missachtung aller Würde islamisch geprägter
Staaten: Man verlegte eines der wichtigsten Zentren des Angriffs auf den
Irak nach Saudi-Arabien, der traditionell mit Schutzpflicht behafteten
Heimat der beiden heiligsten Stätten des Islam, Mekka und Medina.
Plötzlich standen 'Ungläubige' - die nicht selten durch große
Worte, um nicht zu sagen: 'Großmäuligkeit' auffielen - samt
ihrer weiblichen Mitglieder oder gar Gefolgschaften dicht beim seit Jahrhunderten
bitter verteidigten allerhöchsten Heiligtum ALLER Muslims. Es ist
bezeichnend für die 'Sensibilität' der US-Strategen, diesem
Umstand bis heute offensichtlich wenig Beachtung geschenkt zu haben: Die
Verletzung der Würde der Beteiligten.
Für den Durchschnitts-Muslim ist allein die Nachbarschaft ihres
Allerheiligsten mit 'Ungläubigen' ein undenkbarer Affront, für
puristisch denkende Muslims ein Schlag ins Gesicht, für radikale
Islamisten eine Kriegserklärung ohne Erklärung des Krieges.
Es waren seitens des Westens große Worte gegen die Person Hassam
Husseins gefallen - seiner selbst ist man allerdings bis heute nicht habhaft
geworden, weil man 'die Region nicht destabilisieren wollte' (die damalige
US-Administration Bush sr. hatte dies zu verantworten; Bush jr. mag heute
aktuell den Wunsch haben, die Versäumnisse des Vaters nachzubessern
- auch wenn es mit dem aktuellen Geschehen möglicher Weise wenig
zu tun haben könnte). In den Augen eines gegen die andere Weltmacht
der damaligen Zeit - die UdSSR - bereits erfolgreichen bin Laden, und
aus islamischer Sicht insgesamt hatten sich die USA alleine damit als
'Feiglinge' entlarvt, dass sie einen übernommenen Auftrag nicht zu
Ende gebracht hatten.
Die USA hatten sich damit ihrer eigenen Würde selber beraubt gehabt.
Wen sollte es fortan hindern, einen würdelosen Feind, der sich zurück
zieht, bevor er den selbst behaupteten Auftrag erfüllt hat, an jedweder
Front mit jedwedem Mittel - auch einem 'würdelosen' oder unadäquaten
- anzugreifen? Der 'Feind' USA hatte sich als 'leicht angreifbar' erwiesen,
gerade ebenso wie später beim überhasteten Rückzug aus
Somalia. Die Flanken zu entblößen, ist auch des Löwen
Tod. Der 'Löwe' USA hatte seine Flanke gezeigt...
Ob Osama bin Laden zu diesem Zeitpunkt bereits radikal-islamistisch
dachte, mag dahin gestellt sein - ein Durchschnitts-Muslim war er jedenfalls
schon vorher nicht gewesen. Allein seine multi-kulturelle Erziehung steht
dagegen. Und die 10 Jahre Kampf gegen die UdSSR an der Seite und als Teil
der aus allen Ländern der Welt herbei geströmten Mujahidin hatten
aus diesem Mann sicherlich keinen Menschen gemacht gehabt, der nach einem
'Schlag auf die linke Wange auch noch die rechte hin hält'. Nach
den UdSSR infiltrierten - zumindest aus seiner Sicht - jetzt die USA die
in seinen unzähligen 'Fatwah's' zu schützende und stets zitierte
islamische Welt.
Wer an dieser Stelle unterstellt, Osama bin Laden sei bereits zu diesem
Zeitpunkt 'Terrorist' gewesen, erliegt der Wortwahl westlich geprägter
Gepflogenheiten: Ein Widerstandskämpfer ist ein Terrorist, der für
die Sache des 'Westens' ist - und eben auch umgekehrt. Also ist ein Terrorist
ein Widerstandskämpfer, der gegen den Westen ist. So einfach scheint
das zu sein.
Osama bin Laden hatte bereits früher mehrfach die Korrumpierbarkeit
des saudischen Königshauses (zugunsten des Westens, insbesondere
US-amerikanischen Geldes; zu Lasten der Sache des Islam, insbesondere
Alkohol- und Drogenmissbrauchs und Prostitution) angeprangert gehabt.
Die aktuelle Entwicklung schien ihm Recht zu geben. Er selbst geriet dabei
zunehmend ins Abseits. Er änderte seine Strategie: statt weiter Petitionen
ans Königshaus zu richten, verlegte er sich auf Agitationen in islamisch-religiösen
Kreisen und Islamschulen, was ihn nur noch schärfer ins Visir des
saudischen Polizeiapparats brachte.
Bis heute stehen wesentliche Truppenkontingente der USA und Großbritanniens
in Saudi-Arabien, nach wie vor OHNE offiziellen Auftrag der UNO, welche
zum Teil trotz der überzeugenden Leistung des seit 1996 amtierenden
Ghanesen Kofi Annams allein deshalb wenig handlungsfähig ist, weil
insbesondere die USA seit Jahren ihre Beiträge zur Finanzierung der
UNO, 'United Nations Organization', schuldig bleiben und derzeit mit über
1,5 Milliarden US$ als größter Schuldner für die weltweit
wohl einzig anerkannte Vermittlerorganisation in Krisenfällen dastehen.
Statt die Friedensmissionen der UNO zu fördern, wurden unmittelbar
nach dem 11.9.2001 satte 40 Mrd. US$ für wohl überwiegend militärische
Operationen bereit gestellt.
Lesen Sie nach einem Überblick zum Weltgeschehen 'um den 2.Golfkrieg
herum' weiter, wie man aus einem Widerstandskämpfer einen Terroristen
macht, wenn dieser nicht 'spurt'...
Im Blickpunkt: Chronik 1988-1992
Weltgeschichtliche Ereignisse um den Zweiten Golfkrieg herum
Es erscheint uns notwendig, an dieser entscheidenden Stelle
der Osama bin Laden Biografie ein Wenig inne zu halten, um die weltgeschichtlichen
Ereignisse dieser bedeutenden Zeitspanne der jüngsten Geschichte
in einem kurzen chronologischen Abriss zu beleuchten, wobei der Kern des
Geschehens in den Jahren 1989 und 1990 zu finden ist. Machen Sie sich
selbst ein 'Bild von der weltgeschichtlichen Lage'...
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1988-05-23
Auf einem Sonderparteitag der ungarischen Kommunisten übernehmen
Reformpolitiker das Sagen und leiten damit die Auflösung des
Ostblocks ein.
1988-08-08
Der seit 13 Jahren
(nach Ende des Vietnam-Krieges) in Angola andauernde Bürgerkrieg
kommt zu einem vorübergehenden Ende. Er war von den Kontrahenten
des Kalten Krieges massiv unterstützt worden (USA-Kuba).
1988-08-20
Der seit 1980 andauernde
und äußerst verlustreiche Erste Golfkrieg zwischen dem
Irak und dem Iran wird nach überraschendem Einlenken des zunehmend
isolierten Iran mit einem Waffenstillstand de facto unentschieden
beendet. Die Zahl der in diesem Krieg Gefallenen wird auf eine halbe
Mio. Soldaten geschätzt. Der von Saddam Hussein diktatorisch
regierte Irak war sowohl von den USA als auch von der UdSSR mit
modernster Waffentechnik unterstützt worden, weil man eine
Ausbreitung des iranischen fundamentalistischen schiitischen Islam
verhindern wollte.
1988-09-30
In der UdSSR stärkt Parteichef Michail Gorbatschow seine Position
durch Entlassung mehrerer reaktionärer Parteifunktionäre.
Einen Tag später vereinigt er am 1.10. die Staats- und die
Parteiführung in seiner Hand, als er vom Obersten Sowjet zum
Staatsoberhaupt der UdSSR gewählt wird.
1988-11-08
In den USA wird der bisherige Vizepräsident George Bush, sr.,
mit deutlicher Mehrheit zum 41. Präsidenten gewählt.
1988-11-16
In Algier proklamiert der Palästinensische Sicherheitsrat
unter Führung der von Jassir Arafat geleiteten PLO einen unabhängigen
Palästinenserstaat auf von Israel besetztem Territorium. Israel
antwortet mit einer Erklärung des 'diplomatischen Krieges'.
1988-12-21
Über dem schottischen Dorf Lockerbie stürzt ein Jumbo-Jet
Boing 747 mit 259 Insassen an Bord in Folge eines Bomben-Attentats
ab und zerstört große Teile des Dorfes. Die vermuteten
Attentäter finden in Libyen Unterschlupf.
1989-02-15
Die UdSSR zieht ihre letzten Truppenkontingente aus Afghanistan
ab.
1989-06-04
Die seit April in China, insbesondere auf dem Pekinger 'Platz des
Himmlischen Friedens', andauernden Massenproteste insbesondere von
jungen Studenten für mehr Demokratie und Freizügigkeiten
im Lande werden von den chinesischen Machthabern mit Panzern brutal
niedergewalzt. Die Zahl der Toten wird auf annähernd 4,000
geschätzt, die Zahl der Verhaftungen auf über 120,000.
1989-09-11
In der DDR wird die Reformbewegung 'Neues Forum' von 30 Regime-Gegnern
in Grünheide bei Ostberlin gegründet. Es setzt eine Fluchtwelle
von DDR-Bürgern ins sozialistische Ausland ein.
1989-09-30
Bundesaußenminister Genscher sagt in der Deutschen Botschaft
in Prag etwa 4,000 dorthin geflüchteten DDR-Bürgern die
visa-freie Einreise in die BRD zu. Am 10.9. beginnen in Leipzig
Massendemonstrationen für Reformen. Der Exodus von DDR-Bürgern
ist nicht mehr aufzuhalten, das DDR-Regime bricht mit dem friedlichen
Fall der Berliner Mauer am 9.11. zusammen.
1989-10-23
Ungarn wird Demokratische Republik.
1989-11-24
In der Tschechoslowakei tritt die komplette Führungsmanschaft
der Kommunistischen Partei zurück.
1989-11-30
In der BRD wird der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred
Herrhausen, durch die ein Attentat der RAF mittels einer Straßenbombe
getötet.
1989-12-20
Die USA intervenieren unter dem Vorwand der Bekämpfung des
Drogenhandels militärisch in Panama und bringen im späteren
Verlauf dessen Machthaber General Noriega in Miami vor ein US-Gericht.
1989-12-25
In Rumänien wird der ehemalige Diktator Ceausescu samt seiner
Frau nach einem Gerichtsverfahren hingerichtet.
1990-01-21
Die UdSSR interveniert militärisch in Aserbaidschan, um den
Bürgerkrieg zwischen Muslimen und armenischen Christen zu beenden.
1990-02-11
Im wegen seiner Apartheidspolitik wirtschaftlich isolierten Südafrika
wird der seit 27 Jahren einsitzende Führer des oppositionellen
ANC Nelson Mandela aus der Gefängnishaft entlassen.
1990-05-22
Nord- und Südjemen schließen sich zu einem gemeinsamen
Staat zusammen.
1990-05-29
Der ehemalige Stadtparteichef von Moskau und Radikalreformer Boris
Jelzin wird zum Präsidenten der Russischen Föderativen
Sowjetrepublik gewählt. Staats- und Parteichef der UdSSR Michail
Gorbatschow, der behutsame Wirtschaftsreformen anstrebte, gerät
damit unter Erfolgsdruck.
1990-06-19
In der luxemburgischen Kleinstadt Schengen wird zwischen den Benelux-Staaten,
der BRD und Frankreich das nach der Stadt benannte Abkommen zum
Abbau von Personenkontrollen im grenzüberschreitenden Verkehr
unterzeichnet.
1990-08-02
Der im Ersten Golfkrieg durch die beiden Supermächte hoch
gerüstete Irak überfällt das an Erdöl überaus
reiche aber kleine Scheichtum Kuwait und bedroht Saudi-Arabien und
Israel.
1990-10-03
Durch den Beitritt der in 'neue' Ländergrenzen umstrukturierten
DDR zu den 'alten' Ländern der Bundesrepublik Deutschland erfolgt
41 Jahre nach der Trennung die Wiedervereinigung der beiden deutschen
Staaten.
1990-08-10
In Jerusalem wird eine Demonstration jugendlicher Palästinenser
durch das israelische Milität mit Waffengewalt aufgelöst.
Bei diesem 'Massaker am Tempelberg' werden 22 Demonstraanten getötet
und über 150 verletzt.
1990-11-19
Auf der KSZE-Gipfelkonferenz erklären 34 teilnehmende Staaten,
dass die Spaltung Europas überwunden und der Kalte Krieg beendet
sei.
1991-01-17
Nachdem der Irak ein Ultimatum des UN-Sicherheitsrates zum Abzug
aus Kuwait hat verstreichen lassen, starten unter militärischer
Führung der USA 31 Westalliierte mit der Offensive "Desert
Storm', die am 28.2. mit der Vertreibung Iraks aus Kuwait abgeschlossen
wird.
1991-01-26
In Somalia wird der seit 21 Jahren herrschende Diktator Mohammed
Siad Barre gestürzt, und es entbrennt ein bis heute nicht beigelegter
Bürgerkrieg unter verfeindeten Oppositionsgruppen, dem Tausende
zum Opfer fallen.
1991-06-27
Nach Ausscheiden von Slowenien und Kroation aus dem Nationalitätenverband
bricht im ehemaligen Jugoslawien der offene Bürgerkrieg aus.
1991-12-25
In Moskau tritt Michail Gorbatschow von allen politischen Ämtern
zurück, nachdem alle Versuche gescheitert waren, den Kern der
Mitgliedsstaaten der ehemaligen UdSSR, die sich damit endgültig
aufgelöst hat, durch Folgeverträge zusammen zu halten.
1991-04-16
In Afghanistan wird der seit 12 Jahren andauernde
Bürgerkrieg mit Einnahme der Hauptstadt Kabul durch die
lose untereinander verbundenen Rebellentruppen und Rücktritt
von Präsident Nadschibullah beendet. Es folgen schwere Kämpfe
um Machtpositionen verschiedener Rebellengruppen untereinander.
© 2000 ff by
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|
Quellen: Internet, insbesondere http://pbs.org/frontline
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