DEUTSCHE
GESCHICHTE
Der Text dieser Seite ist dem Nachschlagebuch
"Tatsachen über Deutschland" entnommen. Herausgegeben vom Presse- und Informationsamt
der Bundesregierung. Societäts-Verlag, Frankfurt/Main, 1998. Redaktion: Dr.
Arno Kappler. Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt des ganzen Nachschlagebuches
ist abrufbar im Internet unter:
http://www.government.de/
Die wirtschaftliche Einigung
Deutschlands
Die Umstellung der Planwirtschaft der früheren DDR in ein funktionierendes
System der Sozialen Marktwirtschaft war und ist eine in der Geschichte
bisher einmalige Herausforderung.
Dafür ist ein gewaltiger Finanztransfer von West- nach Ostdeutschland
notwendig. Die Leistungen der öffentlichen Hand erreichten bis Ende
1997 ein Volumen von rund 1000 Milliarden Mark.
Der wirtschaftliche Aufbau in Ostdeutschland hat weiterhin erhebliche
Fortschritte gemacht. Entscheidend für den Anschluß an die
Weltmärkte war die Qualitätssteigerung der ostdeutschen Produkte,
mit der ein Exportzuwachs von fast 26 Prozent einherging.
Der Börsengang des von Grund auf neu strukturierten Thüringer
Unternehmens Jenoptik im Juni 1998 dokumentiert eine der erfolgreichsten
Aufbauleistungen nach der Wende.
Eine grundlegende Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufbau
war der rasche Ausbau einer modernen Infrastruktur.
Dies gilt sowohl dem gesamte Verkehrssystem als auch der
Telekommunikation. Die neuen Länder verfügen heute über
das weltweit modernste und leistungsfähigste Telefon- und Kommunikationsnetz.
Besondere Anstrengungen zum Aufbau einer konkurrenzfähigen Wissenschafts-
und Forschungslandschaft begünstigen den raschen Transfer technologischer
Kenntnisse in die praktische Umsetzung durch die Betriebe.
Allerdings besteht in Ostdeutschland noch immer eine deutliche Diskrepanz
zwischen Löhnen und Produktivität im Vergleich mit den alten
Ländern. Die Effektivlöhne beliefen sich 1997 auf 77,2 Prozent.
Die Produktivität erreichte 62 Prozent des westdeutschen Niveaus.
Der Lohnstückkostennachteil ist nach wie vor ein der entscheidenden
Standortdefizite der neuen Länder.
Immerhin hat sich die gesamtwirtschaftliche Leistung in den neuen Ländern
im Vergleich zu 1991 um mehr als 40 Prozent erhöht, und ihr Anteil
am gesamtdeutschen Bruttoinlandsprodukt stieg auf 11,6 Prozent.
Das Vertrauen der Wirtschaft in die wirtschaftliche Entwicklung in den
neuen Ländern spiegelt die Ausstattung mit modernen Bauten und Produktionsanlagen:
Die Investitionsquote lag zuletzt bei 45,1 Prozent ein Wert. Der in den
alten Ländern nie erreicht wurde. Im ersten Quartal des Jahres 1998
lag das reale Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in den neuen Ländern
um 3,8 Prozent über dem des Vorjahres.
Die Bundesregierung hat die Überwindung der immer noch vorhandenen
ökonomischen und sozialen Spaltung zwischen Ost- und Westdeutschland
zum wichtigsten Vorhaben im Hinblick auf die Vollendung der deutschen
Einheit erklärt.
Sie will den weiteren wirtschaftlichen Aufbau in Ostdeutschland mit
umfangreichen finanziellen Mitteln fördern. Für Maßnahmen
der Wirtschaftsförderung zum Auf- und Ausbau der Infrastruktur sowie
zur Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen wurden 1998 rund 52
Milliarden DM bereitgestellt.
Seit Beginn des Jahres 1995 sind die neuenLänder in den Finanzausgleich
zwischen den Ländern einbezogen; rund 57 Milliarden DM erhielten
sie daraus im Jahr 1995. Vorher sicherte der Fonds ,,Deutsche Einheit
ihre finanzielle Handlungsfähigkeit.
Um die enormen Kosten auszugleichen, die der Aufbau in den neuen Ländern
mit sich bringt, und die Nettokreditaufnahme des Bundes nicht ins uferlose
wachsen zu lassen (der Schuldendienst macht inzwischen fast 20 Prozent
der gesamten Bundesmittel aus) wird in Deutschland ein Solidaritätszuschlag
in Höhe von derzeit 5,5 Prozent der Lohn-, Einkommen- und Körperschaftsteuer
erhoben.
Zur Stärkung des Wachstums und zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit
hatte die Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder ein
Bündel von Maßnahmen beschlossen.
Dazu zahlen Das Bündnis für Arbeit und Ausbildung, die Stärkung
des Aufbaus Ost sowie gezielte Verbesserungen im Bereich Bildung und Wissenschaft,
um so die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu starken.
Durch eine Steuerreform sollen die Unternehmen entlastet und die Massenkaufkraft
gestärkt werden.
Die überwältigende Mehrheit der Deutschen sagt aktiv Ja
zur staatlichen Einheit. Verständlicherweise beurteilen viele Ost-
und Westdeutsche den Beitrag unterschiedlich der von den Menschen in den
alten für die in den neuen Ländern aufgebracht wird.
Die Fremdheit, die in mehr als 40 Jahren Isolierung entstanden war,
verliert sich heute indessen immer mehr, zumal die allgemeine Anfangseuphorie
einer nüchternen Einschätzung des Machbaren Platz gemacht
hat.
Heute ist Deutschland ein anerkannter Partner in der Welt. Der fur die
Wahrung des Volkerrechts und der Menschenrechte eintritt.
|