DEUTSCHE
GESCHICHTE
Der Text dieser Seite ist dem Nachschlagebuch
"Tatsachen über Deutschland" entnommen. Herausgegeben vom Presse- und Informationsamt
der Bundesregierung. Societäts-Verlag, Frankfurt/Main, 1998. Redaktion: Dr.
Arno Kappler. Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt des ganzen Nachschlagebuches
ist abrufbar im Internet unter:
http://www.government.de/
Der Zweite Weltkrieg
und seine Folgen
Hitler war mit alldem nicht zufrieden. Er betrieb von Anfang an die Vorbereitung
eines Krieges, den er zu führen bereit war, um die Herrschaft über
Europa zu erringen.
Am 1. September 1939 entfesselte er mit dem Angriff auf Polen den Zweiten
Weltkrieg, der 5,5 Jahre dauerte, weite Teile Europas verwüstete
und 55 Millionen Menschen das Leben kostete.
Zunächst besiegten die deutschen Armeen Polen, Dänemark, Norwegen,
Holland, Belgien, Frankreich, Jugoslawien und Griechenland. In der Sowjetunion
drangen sie bis kurz vor Moskau vor, und in Nordafrika bedrohten sie den
Suez-Kanal.
In den eroberten Ländern wurde ein hartes Besatzungsregime errichtet.
Dagegen erhoben sich Widerstandsbewegungen.
1942 begann das Regime mit der Endlösung der Judenfrage: Alle
Juden, deren man habhaft werden konnte, wurden inKonzentrationslager im
besetzten Polen gebracht und ermordet. Die Gesamtzahl der Opfer wird auf
sechs Millionen geschätzt. Das Jahr, in dem dieses unfaßbare
Verbrechen fing an, brachte die Wende des Krieges; von nun an gab es Rückschläge
auf allen Kriegsschauplätzen für Deutschland und seine Verbündeten.
Der Terror des Regimes und die militärischen Rückschläge
stärkten den inneren Widerstand gegen Hitler. Seine Exponenten kamen
aus allen Schichten des Volkes. Ein vornehmlich von Offizieren getragener
Aufstand am 20. Juli 1944 scheiterte. Hitler überlebte ein Bombenattentat
in seinem Hauptquartier und nahm blutige Rache. Über viertausend
Menschen aller Gesellschaftsschichten, die am Widerstand beteiligt gewesen
waren, wurden in den nächsten Monaten hingerichtet. Als herausragende
Gestalten des Widerstandes, stellvertretend für alle Opfer, seien
hier Generaloberst Ludwig Beck, Oberst Graf Stauffenberg, der ehemalige
Leipziger Oberbürgermeister Carl Goerdeler und der Sozialdemokrat
Julius Leber, genannt.
Der Krieg ging weiter. Unter riesigen Opfern setzte Hitler den Kampf
fort, bis das ganze Reichsgebiet vom Feind besetzt war. Am 30. April 1945
beging er Selbstmord. Sein testamentarisch eingesetzter Nachfolger, Großadmiral
Dönitz, vollzog 8Tage später die bedingungslose Kapitulation.
Weichenstellungen nach 1945
Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Truppen am 8./9.
Mai 1945 blieb die letzte Reichsregierung unter Großadmiral Dönitz
noch zwei Wochen im Amt. Dann wurde sie verhaftet.
Später stellten die Siegermächte Ihre Mitglieder mit anderen
hohen Amtsträgern der nationalsozialistischen Diktatur bei den Nürnberger
Prozessen unter Anklage wegen Verbrechen gegen Frieden und Menschlichkeit.
Im Reichsgebiet übernahmen die Siegermächte - die USA, Großbritannien,
die Sowjetunion und Frankreich - am 5. Juni die oberste Gewalt. Ihr Kernziel
war gemäß dem Londoner Protokoll von 12. September 1944 und
darauf basierender Folgeabsprachen die totale Verfügungsgewalt über
Deutschland.
Grundlage dieser Politik bildete die Aufteilung des Landes in drei Besatzungszonen
mit einer dreigeteilten Hauptstadt Berlin und einem gemeinsamen Kontrollrat
der drei Oberbefehlshaber.
Auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 wurde Frankreich von den
großen Drei in ihren Kreis als vierte Kontrollmacht unter Zuweisung
einer eigenen Besatzungszone aufgenommen. In Jalta wurde die Absicht erklärt,
Deutschlands staatliche Eigenexistenz aufzuheben, jedoch eine Zerstückelung
des Reichsgebiets zu unterlassen. 1nsbesondere Stalin war an der Erhaltung
Deutsch-lands als Wirtschaftseinheit interessiert.
Er verlangte für die schweren Opfer, die die Sowjetunion durch
den deutschen Überfall erlitten hatte, so enorme Reparationsleistungen,
daß diese von einer Zone allein nicht aufgebracht werden konnten.
Moskau forderte neben 20 Milliarden Dollar die vollständige Überlassung
von 80 Prozent aller deutschen Industriebetriebe an die Sowjetunion.
Nach ersten anderslautenden Plänen traten auch die Briten und Amerikaner
für die Erhaltung eines lebensfähigen Rumpf Deutschlands ein,
weil etwa seit Herbst 1944 US-Präsident Roosevelt im Rahmen eines
globalen Gleichgewichtssystems auch ein stabiles Mitteleuropa anstrebte.
Dafür war die Wirtschaftsbasis in Deutschland unverzichtbar. Entsprechend
schnell verwarf er auch den berüchtigten Morgenthau-Plan (September
1944), wonach die deutsche Nation vom Ackerbau leben und in einen nord-
und einen süddeutschen Staat geteilt werden sollte.
Die Differenzen zwischen den Siegermächten vergrößerten
sich jedoch immer mehr. Deshalb trat das ursprüngliche Ziel der Potsdamer
Konferenz (17. Juli bis 2. August 1945) - die Schaffung einer europäischen
Nachkriegsordnung - bald in den Hintergrund: Einig war man sich nur in
der Frage der Entnazifizierung, Entmilitarisierung und ökonomischen
Dezentralisierung sowie der Erziehung der Deutschen zur Demokratie.
Fern ergaben die westlichen Siegermächte ihre folgenschwere Zustimmung
zur Ausweisung Deutscher aus den unter polnische Verwaltung gestellten
deutschen Ostgebieten, Nordostpreußen, Ungarn und der Tschechoslowakei.
In krassem Widerspruch zu dem westlichen Vorbehalt einer ,,humanen Durchführung
dieser Ausweisung wurden rund 7,75 Millionen Deutsche in der Folgezeit
brutal vertrieben. Sie bezahlten sowohl für deutsche Schuld, als
auch für die Verschiebung der polnischen Westgrenze als Folge der
sowjetischen Okkupation Königsbergs und Ostpolens.
Ein Minimalkonsens wurde lediglich mit der Erhaltung der vier Besatzungszonen
als wirtschaftlicher und politischer Einheiten erzielt. Jede Besatzungsmacht
sollte indessen ihre Reparationen zunächst aus der eigenen Besatzungszone
abdecken. Damit war jedoch - wie sich in der Folgezeit erwies - eine grundsätzliche
Weichenstellung getroffen worden. Nicht nur mit der Handhabung der umfangreichen
Reparationen, sondern mit der Anbindung der vier Zonen an unterschiedliche
politische und wirtschaftliche Systeme wurde Deutschland zu dem Land,
in dem sich wie nirgends sonst in der Welt der Kalte Krieg manifestierten.
Inzwischen war in den einzelnen Besatzungszonen mit dem Aufbau deutscher
Parteien und Verwaltungsorgane begonnen worden. Sehr rasch und unter straffer
Lenkung ging dies in der Sowjetzone vor sich; dort wurden bereits im Jahre
1945 Parteien im Zonenmaßstab zugelassen und mehrere Zentralverwaltungen
gebildet.
In den drei Westzonen entwickelte sich das politische Leben von unten
zum Seitenanfang. Politische Parteien waren anfangs nur auf örtlicher
Ebene, nach Bildung der Länder dann auch auf Landesebene zugelassen.
Zusammenschlüsse im Zonenmaßstab kamen erst später zustande.
Verwaltungsorgane auf Zonenebene gab es nur in Ansätzen. Da man aber
die materielle Not des in Trümmern liegenden Landes nur mit einer
großzügigen Planung über Länder- und Zonengrenzen
hinweg überwinden könnte und die Viermächteverwaltung nicht
funktionierte, beschlossen die Vereinigten Staaten und Großbritannien
1947, ihre beiden Zonen in wirtschaftlicher Hinsicht zusammenzuschließen
(Bizone). Die Divergenzen der Herrschaftssysteme in Ost und West sowie
die sehr unterschiedliche Handhabung der Reparationspolitik in den einzelnen
Zonen führte zur Blockierung einer gesamtdeutschen Finanz-, Steuer-,
Rohstoff- und Produktionspolitik mit der Folge einer tiefgreifenden Auseinanderentwicklung
der Regionen, Frankreich war an einer übergreifenden Wirtschaftsverwaltung
(Bizone/Trizone) zunächst nicht interessiert. Stalin meldete Ansprüche
auf Mitkontrolle des Ruhrgebiets an, schottete aber zugleich die Sowjetisch
Besetzte Zone (SBZ) ab. Gegen diese Willkürmaßnahmen blieb
man westlicherseits machtlos wie etwa bei der Zwangsvereinigung der Kommunistischen
Partei Deutschlands (KPD) und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
(SPD) zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) im April 1946.
Angesichts der zunehmenden Umwandlung der Sowjetischen Besatzungszone
in eine kommunistische Diktatur begannen die Briten und Amerikaner verstärkt,
den Aufbau ihrer eigenen Zonen voranzutreiben. Es ging den westlichen
Besatzungsmächten darum. Not und Elend in den Westzonen zu lindern
und die Errichtung eines freiheitlichen und demokratischen Staatswesens
einzuleiten.
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