DEUTSCHE
GESCHICHTE
Der Text dieser Seite ist dem Nachschlagebuch
"Tatsachen über Deutschland" entnommen. Herausgegeben vom Presse- und Informationsamt
der Bundesregierung. Societäts-Verlag, Frankfurt/Main, 1998. Redaktion: Dr.
Arno Kappler. Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt des ganzen Nachschlagebuches
ist abrufbar im Internet unter:
http://www.government.de/
Die Weimarer Republik
Die Macht fiel den Sozialdemokraten zu. Ihre Mehrheit hatte sich von
revolutionären Vorstellungen früherer Jahre längst abgewandt
und sah ihre Hauptaufgabe darin, den geordneten Übergang von der
alten zur neuen Staatsform zu sichern. Das Privateigentum in Industrie
und Landwirtschaft blieb unangetastet; die zumeist antirepublikanisch
gesinnte Beamten- und Richterschaft wurde vollzählig übernommen;
das kaiserliche Offizierskorps behielt die Befehlsgewalt über die
Truppen. Gegen Versuche linksradikaler Kräfte, die Revolution in
sozialistischer Richtung weiter zu treiben, wurde militärisch vorgegangen.
In der im Januar 1919 gewählten Nationalversammlung, die in Weimar
tagte und eine neue Reichsverfassung beschloß, hatten die drei offenbar
republikanischen Parteien - Sozialdemokraten, Deutsche Demokratische Partei
und Zentrum - die Mehrheit.
Doch wurden im Laufe der zwanziger Jahre im Volk und im Parlament diejenigen
Kräfte immer stärker, die dem demokratischen Staat mit mehr
oder weniger großen Vorbehalten gegenüberstanden.
Die Weimarer Republik war eine Republik ohne Republikaner, rabiat
bekämpft von ihren Gegnern und nur halbherzig verteidigt von ihren
Anhängern. Vor allem hatten die wirtschaftliche Not der Nachkriegszeit
und die drückenden Bedingungen des Friedensvertrages von Versailles,
den Deutschland 1919 unterschreiben mußte, eine tiefe Skepsis gegenüber
der Republik entstehen lassen. Eine wachsende innenpolitische Instabilität
war dieFolge.
1923 erreichten die Wirren der Nachkriegszeit ihren Höhepunkt (Inflation,
Ruhrbesetzung, Hitlerputsch, kommunistische Umsturzversuche). Danach trat
mit der wirtschaftlichen Erholung eine gewisse politische Beruhigung
ein.
Die Außenpolitik Gustav Stresemanns gewann dem besiegten Deutschland
durch den Locarno-Vertrag (1925) und den Beitritt zum Völkerbund
(1926) die politische Gleichberechtigung zurück. Kunst und Wissenschaft
erlebten in den goldenen zwanziger Jahren eine kurze, intensive Blütezeit.
Nach dem Tod des ersten Reichspräsidenten, des Sozialdemokraten
Friedrich Ebert, wurde 1925 der ehemalige Feldmarschall Hindenburg als
Kandidat der Rechten zum Staatsoberhaupt gewählt. Er hielt sich zwar
strikt an die Verfassung, fand aber nie ein inneres Verhältnis zum
republikanischen Staat.
Der Niedergang der Weimarer Republik begann mit der Weltwirtschaftskrise
1929. Linker und rechter Radikalismus machten sich Arbeitslosigkeit und
allgemeine Not zunutze. Im Reichstag fanden sich keine regierungsfähigen
Mehrheiten mehr. Die Kabinette waren abhängig von der Unterstützung
des (verfassungsmäßig sehr starken) Reichspräsidenten.
Die bisher bedeutungslose nationalsozialis-tische Bewegung Adolf Hitlers,
die extrem antidemokratische Tendenzen und einen wütenden Antisemitismus
mit scheinrevolutionärer Propaganda verband, gewann seit 1930 sprunghaft
an Gewicht und wurde 1932 stärkste Partei.
Am 30. Januar 1933 wurde Hitler Reichskanzler.
Außer Mitgliedern seiner Partei gehörten dem Kabinett auch
einige Politiker des rechten Lagers und parteipolitisch ungebundene Fachminister
an, so daß die Hoffnung bestand, eine Alleinherrschaft der Nationalsozialisten
zu verhindern.
Die Diktatur des Nationalsozialismus
Hitler entledigte sich rasch seiner Bundesgenossen, sicherte sich durch
einErmächtigungsgesetz, dem alle bürgerlichen Parteien zustimmten,
nahezu unbegrenzte Befugnisse und verbot alle Parteien außer der
eigenen.
Die Gewerkschaften wurden zerschlagen, die Grundrechte praktisch außer
Kraft gesetzt, die Pressefreiheit aufgehoben. Gegen mißliebige Personen
ging das Regime mit rücksichtslosem Terror vor. Tausende verschwanden
ohne Gerichtsverfahren in eilig errichteten Konzentrationslagern. Parlamentarische
Gremien auf allen Ebenen wurden abgeschafft oder entmachtet. Als 1934
Hindenburg starb, vereinigte Hitler in seiner Person das Kanzler- und
das Präsidentenamt. Damit bekam er als Oberster Befehlshaber die
Wehrmacht in seine Hand, die zunächst noch ein gewisses Eigenleben
geführt hatte.
In den wenigen Jahren der Weimarer Republik hatte das Verständnis
für die freiheitlich-demokratische Ordnung bei der Mehrheit der Deutschen
noch keine tiefen Wurzeln geschlagen. Vor allem hatten langjährige
innenpolitische Wirren, gewalttätige Auseinandersetzungen - bis hin
zu blutigen Straßenschlachten - zwischen den politischen Gegnern
und die durch die Weltwirtschaftskrise ausgelöste Massenarbeitslosigkeit
das Vertrauen in die Staatsgewalt schwer erschüttert.
Hitler dagegen gelang es, mit Arbeitsbeschaffungs- und Rüstungsprogrammen
die Wirtschaft wieder zu beleben und die Arbeitslosigkeit schnell abzubauen.
Dabei wurde er durch das Ende der Weltwirtschaftskrise begünstigt.
Gestärkt wurde seine Stellung auch durch große außenpolitische
Erfolge: 1935 kehrte das Saargebiet, das bis dahin unter Völkerbundsverwaltung
stand, zu Deutschland zurück, und im gleichen Jahr wurde die Wehrhoheit
des Reiches wiederhergestellt.
Im Jahre 1936 rückten deutsche Truppen in das seit 1919 entmilitarisierte
Rheinland ein.
Im Jahre 1938 wurde Österreich dem Reich einverleibt und gestatteten
die Westmächte Hitler die Annexion des Sudetenlandes.
Das alles erleichterte ihm die rasche Verwirklichung seiner politischen
Ziele, wenn es auch in allen Bevölkerungsschichten Menschen gab,
die dem Diktator mutig widerstanden.
Sofort nach der Machtergreifung hatte das Regime mit der Verwirklichung
seines antisemitischen Programms begonnen.
Nach und nach wurden die Juden aller Menschen- und Bürgerrechte
beraubt. Wer es konnte, suchte der Drangsalierung durch Flucht ins Ausland
zu entgehen.
Die Verfolgung politischer Gegner und die Unterdrückung der Meinungsfreiheit
trieben gleichfalls Tausende aus dem Lande. Viele der besten deutschen
Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler gingen in die Emigration.
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