DEUTSCHE
GESCHICHTE
Der Text dieser Seite ist dem Nachschlagebuch
"Tatsachen über Deutschland" entnommen. Herausgegeben vom Presse- und Informationsamt
der Bundesregierung. Societäts-Verlag, Frankfurt/Main, 1998. Redaktion: Dr.
Arno Kappler. Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt des ganzen Nachschlagebuches
ist abrufbar im Internet unter:
http://www.government.de/
Die Revolution von 1848
Im Unterschied zur Revolution von 1789 fand die französische Februarrevolution
von 1848 in Deutschland sofort ein Echo. Im März kam es in allen
Bundesländern zu Volkserhebungen, die den erschrockenen Fürsten
mancherlei Konzessionen abrangen.
Im Mai trat in der Frankfurter Paulskirche die Nationalversammlung zusammen.
Sie wählte den österreichischen Erzherzog Johann zum Reichsverweser
und setzte ein Reichsministerium ein, das allerdings keine Machtmittel
besaß und keine Autorität gewann.
Bestimmend war in der Nationalversammlung die liberale Mitte, die eine
konstitutionelle Monarchie mit beschränktem Wahlrecht anstrebte.
Die Zersplitterung der Nationalversammlung von den Konservativen bis zu
den radikalen Demokraten, in der sich die spätere Parteienlandschaft
schon in Ansätzen abzeichnete, erschwerte eine Verfassungsgebung.
Aber auch die liberale Mitte konnte die quer durch alle Gruppierungen
gehende Gegensätze zwischen den Anhängern einer großdeutschen
und einer kleindeutschen Lösung, d. h. eines Deutschen Reiches
mit oder ohne Österreich, nicht überwinden. Nach zähem
Ringen wurde eine demokratische Verfassung fertiggestellt, die Altes mit
Neuem zu verbinden versuchte und eine dem Parlament verantwortliche Regierung
vorsah.
Als dann jedoch Österreich darauf bestand, sein gesamtes, mehr als
ein Dutzend Völkerschaften umfassendes Staatsgebiet in das künftige
Reich einzubringen, siegte die kleindeutsche Auffassung, und die Nationalversammlung
bot dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die erbliche
deutsche Kaiserkrone an. Der König lehnte ab; er wollte die Kaiserwürde
nicht einer Revolution verdanken.
Im Mai 1849 scheiterten in Sachsen, der Pfalz und Baden Volksaufstände,
die die Durchsetzung der Verfassung von unten erzwingen wollten.
Damit war die Niederlage der deutschen Revolution besiegelt. Die meisten
Errungenschaften wurden rückgängig gemacht, die Verfassungen
der Einzelstaaten im reaktionären Sinne revidieren.
1850 wurde der Deutsche Bund wiederhergestellt.
Der Aufstieg Preußens
Die fünfziger Jahre waren eine Zeit großen wirtschaftlichen
Aufschwungs. Deutschland wurde zum Industrieland. Es war zwar im Produktionsumfang
noch weit hinter England zurück, überholte dieses aber im
Wachstumstempo. Schrittmacher waren die Schwerindustrie und der Maschinenbau.
Preußen wurde auch wirtschaftlich zur Vormacht Deutschlands. Die
ökonomische Kraft stärkte das politische Selbstbewußtsein
des liberalen Bürgertums. Die 1861 entstandene Deutsche Fortschrittspartei
wurde in Preußen die stärkste Partei im Parlament und verweigerte
der Regierung die Mittel, als diese die Heeresstruktur in reaktionärem
Sinne verändern wollte.
Der neuernannte Ministerpräsident Otto von Bismarck (1862) ging auf
die Kraftprobe ein und regierte mehrere Jahre lang ohne die nach der Verfassung
erforderliche Genehmigung des Haushalts durch das Parlament. Die Fortschrittspartei
wagte keinen über parlamentarische Opposition hinausgehenden Widerstand.
Seine innenpolitisch prekäre Stellung konnte Bismarck durch außenpolitische
Erfolge festigen. Im Deutschdänischen Krieg (1864) zwangen Preußen
und Österreich die Dänen zur Abtretung Schleswig-Holsteins,
das sie zunächst gemeinsam verwalteten. Bismarck strebte jedoch von
Anfang nach der Annexion der beiden Herzogtümer und steuerte den
offenen Konflikt mit Österreich an. Im Deutschen Krieg (1866) wurde
Österreich geschlagen und mußte die deutsche Szene verlassen.
Der Deutsche Bund wurde aufgelöst. An seine Stelle trat der alle
deutschen Staaten nördlich des Mains umfassende Norddeutsche Bund
mit Bismarck als Bundeskanzler.
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