DEUTSCHE
GESCHICHTE
Der Text dieser Seite ist dem Nachschlagebuch
"Tatsachen über Deutschland" entnommen. Herausgegeben vom Presse- und Informationsamt
der Bundesregierung. Societäts-Verlag, Frankfurt/Main, 1998. Redaktion: Dr.
Arno Kappler. Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt des ganzen Nachschlagebuches
ist abrufbar im Internet unter:
http://www.government.de/
Zeitalter der Glaubensspaltung
Die schwelende Unzufriedenheit mit der Kirche entlud sich, vor allem
durch das Auftreten Martin Luthers seit 1517, in der Reformation, die
sich rasch ausbreitete. Ihre Folgen reichten weit über das Religiöse
hinaus.
Das ganze soziale Gefüge geriet in Bewegung. 1522/23 kam es zum
Aufstand der Reichsritter, 1525 zum Bauernkrieg, der ersten größeren
revolutionären Bewegung der deutschen Geschichte, in der sich politische
und soziale Bestrebungen vereinigten. Beide Erhebungen scheiterten oder
wurden blutig niedergeschlagen. Hauptnutznießer der Reformation
waren die Landesfürsten.
Nach wechselvollen Kämpfen erhielten sie im Augsburger Religionsfrieden
1555 das Recht, die Religion ihrer Untertanen zu bestimmen. Die protestantische
Konfession wurde als gleichberechtigt mit der katholischen anerkannt.
Die religiöse Spaltung Deutschlands war damit besiegelt. Auf dem
Kaiserthron saß zur Zeit der Reformation Karl V. (1519-1556), der
durch Erbschaft Herr des größten Weltreichs seit der Zeit Karls
des Großen geworden war.
Durch seine weltpolitischen Interessen war er zu stark in Anspruch genommen,
um sich in Deutschland durchsetzen zu können. Nach seiner Abdankung
wurde das Weltreich geteilt. Die deutschen Territorialstaaten und die
westeuropäischen Nationalstaaten bildeten das neue europäische
Staatensystem.
Zur Zeit des Augsburger Religionsfriedens war Deutschland zu vier Fünfteln
protestantisch. Der Kampf zwischen den Konfessionen war damit jedoch nicht
beendet. In den folgenden Jahrzehnten konnte die katholische Kirche viele
Gebiete zurückgewinnen (Gegenreformation). Die konfessionellen Gegensätze
verschärften sich; es kam zur Bildung von Religionsparteien, der
protestantischen Union (1608) und der katholischen Liga (1609).
Ein lokaler Konflikt in Böhmen löste dann den Dreißigjährigen
Krieg aus, der sich im Laufe der Jahre zu einer europäischen Auseinandersetzung
weitete, in der politische wie konfessionelle Gegensätze aufeinanderprallten.
Dabei wurden zwischen 1618 und 1648 weite Teile Deutschlands verwüstet
und entvölkert. Der Westfälische Friede von 1648 brachte Gebietsabtretungen
an Frankreich und Schweden; er bestätigte das Ausscheiden der Schweiz
und der Niederlande aus dem Reichsverband.
Den Reichsständen gewährte er alle wesentlichen Hoheitsrechte
in geistlichen und weltlichen Angelegenheiten und erlaubte ihnen, Bündnisse
mit Auslandspartnern zu schließen.
Die nahezu souveränen Territorialstaaten übernahmen als Regierungsform
nach französischem Vorbild den Absolutismus. Er verlieh dem Herrscher
schrankenlose Macht und ermöglichte den Aufbau einer straffen Verwaltung,
die Einführung geordneter Finanzwirtschaft und die Aufstellung stehender
Heere. Viele Fürsten hatten den Ehrgeiz, ihre Residenz zu einem kulturellen
Mittelpunkt zu machen. Manche von ihnen - Vertreter des aufgeklärten
Absolutismus - förderten Wissenschaft und kritisches Denken, freilich
in den Grenzen ihrer Machtinteressen.
Die Wirtschaftspolitik des Merkantilismus ließ die absolut regierten
Staaten auch ökonomisch erstarken.
So konnten Länder wie Bayern, Brandenburg (das spätere Preußen),
Sachsen und Hannover zu eigenständigen Machtzentren werden.
Österreich, das die angreifenden Türken abwehrte und Ungarn
sowie Teile der bisher türkischen Balkanländer erwarb, stieg
zur Großmacht auf. Ihm erwuchs im 18. Jahrhundert ein Rivale in
Preußen, das unter Friedrich dem Großen (1740-1786) zu einer
Militärmacht ersten Ranges wurde.
Beide Staaten gehörten mit Teilen ihres Territoriums nicht dem
Reich an, und beide trieben europäische Großmachtpolitik.
|